7.4 Themenzentrierte Interaktion (TZI) – ein systemisch-humanistisches Modell für Gruppenprozesse

6. Übung: Teamleiterin im Einzelcoaching

6.1. Lösungsbeispiel

Analyse nach TZI – die vier Bezugsgrößen:

  • Ich:
    Ihre persönliche Erschöpfung, Loyalitätskonflikte, das Gefühl des „Zerriebenwerdens“. Auch: ihr Wunsch nach Klarheit und innerer Stabilität.
    Mögliche Handlungsmuster/Glaubenssätze, die hier wirksam sein könnten: z.B. „Ich muss es allen recht machen.“ (Perfektionismus, Harmoniebedürfnis), „Als Führungskraft darf ich keine Schwäche zeigen/Ich muss es schaffen, dass die Aufgabe gut erfüllt wird.“ Etc.
  • Wir:
    Die Beziehung zu ihrem Team und zur Geschäftsleitung – beide „Lager“ haben Erwartungen an sie. Ihre Rolle als Bindeglied ist emotional aufgeladen.
    Mögliche Handlungsmuster/Glaubenssätze, die hier wirksam sein könnten: „Ich bin das Bindeglied – und darf weder mein Team noch die Führung enttäuschen.“, „Wenn ich etwas anspreche, gefährde ich die Beziehung.“, „Ich bin verantwortlich für das Gelingen der Beziehungen.“
  • Es:
    Das neue Projekt, das objektiv-fachliche Thema – fachlich wichtig, inhaltlich spannend, aber in der aktuellen Dynamik schwer zu führen.
    Mögliche (unbewusste) Handlungsmuster/Glaubenssätze, die hier wirksam sein könnten: „Ich darf fachlich nicht versagen – sonst verliere ich Respekt.“, „Ein gutes Projekt muss trotz widriger Umstände gelingen.“
  • Globe:
    Der organisationale Kontext: struktureller Druck, Kommunikationsmängel, hohe Belastungskultur.
    Mögliche Handlungsmuster/Glaubenssätze/Normen, die hier wirksam sein könnten: „Wir dürfen nicht schwach wirken“, „Hier zählt nur Leistung – Gefühle haben keinen Platz., „Wer sich beschwert, gilt als nicht belastbar.“, „Führung bedeutet, Druck weiterzugeben – nicht abzufedern.

 

Kommentar: Mit Hilfe der vier Bezugsgrößen kannst du mit der Teamleiterin herausarbeiten:

  • Was braucht sie selbst gerade/Welche Handlungsmuster sind bei ihr wirksam (Ich)?
  • Welche Beziehungsmuster wirken? Wer braucht was (Wir)?
  • Was erfordert die Sache/Aufgabe (Es)?
  • Was ist strukturell bedingt und damit nicht allein lösbar (Globe)?

So entsteht Klarheit, wo Einfluss möglich ist – und wo Akzeptanz, Abgrenzung oder Kommunikation notwendig wird.