7.1 Trainer:innen-Profil und Geschäftsmodell

Website: Glocal-Campus
Kurs: Zertifizierte Weiterbildung zum:zur inkulturellen Trainer:in 2026-27
Buch: 7.1 Trainer:innen-Profil und Geschäftsmodell
Gedruckt von: Gast
Datum: Freitag, 9. Oktober 2026, 21:30

1. Inhaltsverzeichnis

Das erwartet dich in diesem Modul:

  • Einführung und Reflexion
  • Zielgruppe/n definieren
  • Trainer:innen-Profil und Angebot greifbar machen
  • Erste Schritte im Marketing

2. Einführung

Du hast in den letzten Monaten intensiv deine Kompetenzen als interkulturelle:r Trainer:in aufgebaut und gezielt weiterentwickelt:

Du hast dich damit beschäftigt, wie interkulturelle Trainings jenseits von Stereotypisierungen und Generalisierungen gestaltet werden können und wie sie einem relationalen Verständnis von Kultur gerecht werden (Lernbaustein 1).

Du hast deine eigenen Stärken und Entwicklungsfelder reflektiert und dein Trainer:innen-Profil geschärft (Lernbaustein 1, Modul 3).

Du weißt, welche Bedingungsfaktoren bei der Konzeption eines Trainings eine Rolle spielen und wie diese die Gestaltung beeinflussen (Lernbaustein 1, Modul 3).

Du hast eine Vielzahl interkultureller Methoden kennengelernt, erprobt und analysiert und kannst diese didaktisch einordnen (Lernbaustein 1, Modul 4).

Und du hast dich mit Trainingsdesign, Aufgabenstellungen und Trainingsdurchführung beschäftigt und begonnen, eine eigene Sequenz zu entwickeln (Lernbaustein 2).


Abb. 1 Lernreise in der zertifizierten Weiterbildung zum:r "Interkulturelle:n Trainer:in"/KI generiert.


Bevor wir nun zum nächsten Schritt gehen, nimm dir noch mal Zeit für eine kurze Reflexion:


Reflexions-Übung: "Meine Entwicklung"

Nimm dir 10-15 Minuten Zeit für die unten stehenden Fragen. Notiere deine Antworten stichpunktartig. Sie bilden eine wichtige Grundlage für dein späteres Profil und deine Kommunikation nach außen.

  • „Aha-Moment“: Welche Erkenntnis oder welches Konzept hat dein Verständnis von interkulturellem Lernen nachhaltig verändert? 
    → Was siehst du heute anders als früher? 
  • Kompetenz-Sprung: In welchen Bereichen hast du dich durch die Weiterbildung am stärksten weiterentwickelt?
    → Was kannst du heute, was du vorher noch nicht konntest?
  • „Weglass-Prinzip“: Was hast du früher für wichtig gehalten, das du heute bewusst nicht mehr in deinen Trainings tun würdest?
    → Wovon hast du dich fachlich oder didaktisch gelöst?
  • Transfer nach außen: Was davon ist für deine zukünftigen Teilnehmenden oder Auftraggeber:innen besonders relevant?


3. Zielgruppen verstehen

Jetzt geht es darum, den nächsten Schritt zu gehen und ein klares Angebot zu entwickeln, das für andere verständlich, relevant und buchbar ist,

Dieses Modul unterstützt dich dabei, deine Haltung, deine Stärken und dein Verständnis von interkulturellem Lernen in ein stimmiges Geschäftsmodell zu übersetzen.

Wähle eine oder mehrere Zielgruppen, die zu deinen Reflexionen passen, zu denen du bereits Zugang hast oder mit denen du in Zukunft gerne arbeiten würdest.

Beantworte nun folgende Fragen:

  • In welchem Kontext arbeitet diese Zielgruppe?
  • Wo erlebt sie konkret Unsicherheit/Unvertrautheit, Missverständnisse oder Reibung?
  • Welche deiner Erkenntnisse (siehe z.B. Aha-Moment) sind hier besonders relevant?
  • Welche deiner Kompetenzen zahlen direkt auf diese Herausforderungen ein?
  • Welche Sprache verwendet die Zielgruppe? Hier geht es nicht um Sprachen im Sinne von Deutsch, Chinesisch etc., sondern akademisch, Umgangssprache etc.? Dies ist relevant, um um später überlegen zu können, wie du dein Angebot betitelst?

4. Trainer:innen-Profil: Wofür stehe ich eigentlich


Die beiden vorangegangenen Aufgaben haben bereits zentrale Bausteine sichtbar gemacht:

  • deine prägende Erkenntnis
  • deine gewachsenen Kompetenzen
  • das, was du heute bewusst anders machst 
  • Bewusstsein für die Bedarfe deiner ZielgruppeNein

Nutze nun beide Reflexionen und formuliere:

„Ich unterstütze … (Zielgruppe/n), dabei … (Problem/Entwicklung), indem ich … (dein Ansatz/USP).“

Optional kannst du für dich auch die Fragen beantworten (Dies hilft dir, auf den Punkt zu bringen, wie du deine Vision und die Wirkung deines Trainigns beschreiben willst):

  • Was mache ich bewusst anders als viele klassische Trainings?
  • Was sollen Teilnehmende nach meinem Training anders tun oder sehen?

4.1. Dein Angebot: Eine erste Annäherung

Welche Themen möchtest du konkret anbieten? 
Hierfür hilft es, sich zu erinnern: Welche Themen in der Weiterbildung haben dich am meisten interessiert? Wo hast du dich in der Methodenlandkarte am sichersten gefühlt? Mit welchem Ziel bist du schon in die Weiterbildung gekommen?

Definiere dann dein Thema/deine Themen aus, indem du die Zielgruppe definierst, Lernziele formulierst, einen Zeitrahmen eingrenzt und mögliche Formate und Übungsformen definierst (das ist erst mal ein erster Entwurf und muss nicht voll ausgereift sein!):
Feld Dein Entwurf
Thema Worum geht es?
Zielgruppe 
Wer genau sitzt im Raum? (z.B. Teamleiter im IT-Sektor, Pflegekräfte, Team, das remote arbeitet...)
Welche interkulturellen Vorerfahrungen haben die TN und welche Motivation für das Thema?
Arbeitstitel Wie heißt das Training? 
Lernziele
Was sollen die Teilnehmenden nach dem Training wissen/können/angewendet haben/anders machen...)
Übungstypen  Input, Erfahrungsbasierte Übung, Reflexionsaufgaben, Fallbeispiele etc.
Format Training (Präsenz/Online), Simulation, Planspiel etc.
Zeitrahmen 2 Stunden? 1 Tag? 2 Halbtage?
 

Hier ein Beispiel:


Thema Mikroaggressionen im Hochschulkontext
Arbeitstitel „Subtile Ausgrenzung erkennen und inklusive Hochschulkultur gestalten“
Zielgruppe Lehrende, wissenschaftliches Personal und Verwaltungsmitarbeitende an Hochschulen. Individuelle Anmeldung, Eigeninteresse, Vorwissen, 
Lernziele
  • Subtile Formen von Mikroaggressionen im Hochschulalltag (z. B. Sprache, Herkunft, Erscheinungsbild) sicher  identifizieren können (=Wahrnehmung schärfen).

  • Den Zusammenhang zwischen Mikroaggressionen und deren negativen Folgen für die psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit (Cognitive Load) von Betroffenen verstehen (=Wirkung analysieren).

  • Die zugrunde liegenden gesellschaftlichen und strukturellen Muster hinter scheinbar „harmlosen“ Alltagsinteraktionen reflektieren (=Muster erkennen).

  • Praktische Mikro-Interventionen und sprachliche Strategien anwenden, um in kritischen Momenten souverän und inklusiv reagieren zu können (=Handlungsfähigkeit stärken).

  • Proaktive Schritte im Nachgang unternehmen, die ein echtes Gefühl der Zugehörigkeit (Belonging) für Studierende, Gäste und Kolleg:innen fördern (=Kultur mitgestalten).

Übungstypen Impuls/Inputs, Fallbeispiele aus dem Hochschulalltag, moderierte Reflexionsaufgaben, interaktive Simulationen von Interventions-Szenarien.
Format Interaktiver Workshop (wahlweise Präsenz oder Online).
Zeitrahmen 3 bis 6 Stunden (je nach gewünschter Vertiefungsebene).


4.2. Einstieg in die Preiskalkulation

Definiere für dich folgende Schritte:

Schritt 1: Eigene Grundlage
  • Wie viele Trainingstage pro Jahr sind realistisch?
  • Welche Aufwände entstehen (Vorbereitung, Akquise, Nachbereitung)?
Schritt 2: Wertperspektive
  • Welches Problem löst dein Training konkret?
  • Was ist der Nutzen für die Organisation?
Schritt 3: Vergleich mit Mitbewerber:innen
  • Was verlangen andere? Tagessätze können sich von Thmea zu Thema und Zielgruppe zu Zielgruppe unterscheiden. So werden andere Preise im sozialen Bereich oder in der Wirtschaft gezahlt. Und genauso gibt es Unterschiede zwischen "Startern", "Professionals" und "Senior-Professionals". Hier die Honorarempfehlungen des Berufsverbands für Training, Beratung und Coaching (BDVT) und der Vereinigung der Business Trainer (VBT), die ein Mittelwert für Trainings verschiedener Themen/Inhalte ermitteln:
Honorarempfehlung Berufsverbands für Training, Beratung und Coaching (BDVT) und der Vereinigung der Business Trainer (VBT)

Schritt 4: Erste Preisidee
  • Formuliere einen ersten Tagessatz oder Paketpreis als Arbeitsversion. Sobald du die ersten Angebote aquiriert hast, bekommst du dann ein besseres Gefühl für deine Preisgestaltung.


5. Erste Schritte im Marketing

Viele neue Trainer:innen starten mit einer starken inhaltlichen Basis und gleichzeitig mit Unsicherheit beim Thema Marketing:

Wie finde ich meine ersten Aufträge?
Wie „zeige“ ich mich, ohne mich zu verkaufen?
Was ist wirklich notwendig – und was optional?

Gerade im interkulturellen Feld kommt hinzu:
Dein Ansatz ist oft erklärungsbedürftig, differenziert und nicht in einfachen Schlagworten darstellbar.

Die gute Nachricht:
Marketing muss nicht laut oder aufdringlich sein. Denn Marketing bedeutet nicht, sich „zu verkaufen“, sich zu verstellen und möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern Marketing bedeutet:
Die richtigen Menschen verstehen, ansprechen und überzeugen, dass dein Angebot für sie relevant ist.





5.1. Die Must-haves für den Start

Die ersten wichtigen Schritte hast du mit diesem Modul bereits unternommen: Du hast dir ein klares Profil erarbeitet und ein verständliches Angebot für deine Zielgruppe/n formuliert.

Nun ist wichtig, dass du folgende Dinge noch erstellst bzw. auf dein Angebot anpasst, wenn du sie schon hast:

Ein Ort der Sichtbarkeit

Du brauchst mindestens einer der folgenden (online-)Präsenzen, um auffindbar und ansprechbar zu sein und deine Professionalität zu zeigen:

  • LinkedIn-Profil
  • einfache Website
  • Netzwerkpräsenz (z. B. über Organisationen)
Netzwerk & persönliche Kontakte
Nutze deine bereits existierenden Netzwerke, in denen du bereits bekannt bist, um dein Angebot zu unterbreiten (ehemalige Kolleg:innen, berufliche Netzwerk, bestehende Kontakte) 
und versuche branchenspezifische Netzwerke aufzubauen: das kannst du durch einen Beitrag auf einer Fachkonferenz, einen Online-Vortrag, Teilnahme an einem Podcast etc. tun

Erste Referenzen / Erfahrungsräume
Biete Pilottrainings, Pro-bono-Angebote (strategisch!) und kleinere Aufträge an, um scihtbar zu werden und Expertise zu zeigen.



5.2. Was ist zielgruppenabhängig?

Marketing ist kein One-size-fits-all. Je nach Zielgruppe verändern sich:

Sprache & Ansprache
Hier ein paar Beispiele:
  • Internationale Büros → strukturiert, hochschulnah, sachlich
  • NGOs → werteorientiert, gesellschaftlich eingebettet
  • Unternehmen → lösungsorientiert, effizient, nutzenfokussiert
Kanäle
  • Über LinkedIn erreichst du v. a. Unternehmen, Selbstständige
  • Hochschulen und NGOs erreichst du gut über persönliche Netzwerke 
  • Empfehlungen / Multiplikator:innen
Formate
  • Je nach Zielgruppe bieten sich entweder kurze Impulsworkshops vs. längere Programme, Online vs. Präsenz oder Training vs. Coaching vs. Prozessbegleitung an.

5.3. Typische Stolperfallen

Achte darauf nicht: 
  • Zu allgemein zu bleiben („Ich mache interkulturelle Trainings“)
  • Zu viel erklären, statt Nutzen zu benennen
  • Auf Perfektion zu warten (Website, Logo etc.)
  • Marketing mit Selbstdarstellung zu verwechseln.

Besser: Du startest klein, testest und schärfst dann nach.


5.4. Checkliste "Dein aktueller Marketing-Stand"

Beantworte für dich:

  1. Profil: Kann ich in 2–3 Sätzen erklären, was ich anbiete?
  2. Zielgruppe: Weiß ich, für wen mein Angebot besonders relevant ist?
  3. Sichtbarkeit: Wo kann man mich aktuell finden?
  4. Netzwerk: Wen könnte ich konkret ansprechen?
  5. Nächster Schritt: Was ist eine konkrete Aktion, die ich in den nächsten 7 Tagen umsetze?