3. Systemische Grundlagen und Prinzipien

3.7. Nichtlinearität und Nachhaltigkeit

Eine lineare Entwicklung ist bei dynamischen Systemen selten und nur innerhalb begrenzter Zeitbereiche beobachtbar. Wenn Systeme oder Systemelemente in vernetzter, rückgekoppelter Weise zusammenwirken, treten in der Regel nicht lineare Dynamiken auf. Diese können sich etwa in exponentiellem Wachstum äußern.

In komplexeren Systemen sind häufig eine Reihe von verschiedenen positiven und negativen Rückkopplungsschleifen kombiniert.

Bei der erwähnten Kerzenflamme gibt es eine positive Rückkopplung (Vester, 1883). Je größer die Flamme wird, desto mehr Wachs schmilzt und wird vom Docht aufgenommen. Je mehr Wachs im Docht ist, desto größer wird wiederum die Flamme. Warum wächst demnach die Flammengröße tatsächlich nicht unendlich an? Abgesehen davon, dass die Wachsressourcen der Kerze begrenzt sind, existiert in diesem System auch eine negative Rückkopplung: Je größer die Flamme wird, desto schneller verbrennt das Wachs im Docht. Der Nachschub an Wachs kommt nicht mehr mit und der Docht selbst verglimmt und wird kürzer. Dadurch wird die Flamme wieder kleiner. Das Zusammenspiel der beiden Rückkopplungsschleifen führt zum „Flackern“. Das System pendelt sich aber in kurzer Zeit auf ein konstantes Gleichgewicht zwischen Verbrennung und Wachszufuhr ein.

Eine andere Erscheinungsform nichtlinearer Prozesse sind häufig beobachtbare plötzliche Entwicklungssprünge. Dabei werden Systemstrukturen in einer diskontinuierlichen selbstorganisierten Dynamik verändert und neue Ordnungszustände herausgebildet, oder Systeme sind durch eine chaotische Dynamik gekennzeichnet. Nichtlineare Systemprozesse können sich in einer Weise entwickeln, die sich dann der Vorhersagbarkeit, Berechenbarkeit und Kontrollierbarkeit entziehen. Die vom Menschen künstlich geschaffenen Veränderungen und dadurch ausgelösten Zerstörungen unserer natürlichen Lebensgrundlagen sind auf solche unkontrollierten Wachstumsprozesse zurückzuführen. Ein besonderes Problem ergibt sich aus der Irreversibilität mancher Prozesse.