3. Systemische Grundlagen und Prinzipien

3.3. Holismus und Verbundenheit der Elemente

Ein wichtiges Konzept systemischen Denkens ist der Holismus und die Verbundenheit der Elemente. Systeme werden als Ganzheit angesehen und alle existierenden Phänomene werden ganzheitlichen Zusammenhängen begriffen. Systeme sind folglich etwas anderes als die Summe ihrer Teile, was schon die Gestalttheorie und -psychologie formuliert hat. Die Teilkomponenten eines Systems wirken in einem Prozess komplexer Vernetzung und Wechselwirkung zusammen, wobei durch dieses Zusammenwirken auch die Systemelemente neue Qualitäten erhalten. Ein System kann dabei wiederum selbst als Teilelement in einem System hierarchisch nächsthöherer Ordnung fungieren (bottom up- Sichtweise) oder es kann eine Ganzheit künstlich immer weiter in Elemente und Subsysteme aufgespalten werden (top down-Sichtweise). „Lebende Systeme sind so organisiert, dass sie Strukturen auf mehreren Ebenen bilden, wobei jede Ebene aus Untersystemen besteht, die in Bezug auf ihre Teile Ganzheiten sind, und Teile in Bezug auf die größeren Ganzheiten“ (Capra 1991: 310). Ein Beispiel für eine solche hierarchische Ordnung von Systemen lautet: Atome - Moleküle - Zellen - Lebewesen - Ökosysteme.

Der systemische Ansatz geht sowohl analytisch als auch ganzheitlich vor. Einerseits werden übergeordnete Systemstrukturen in kleinere Teilkomponenten zergliedert, Grenzziehungen zwischen System und Umwelt durchgeführt und in verschiedene Systemebenen und Teilprozesse differenziert. Andererseits wird die Vernetzung dieser Elemente und Teile nicht vernachlässigt und immer wieder thematisiert und reflektiert. Im Bestreben, Aussagen über interessierende Phänomene zu machen, kommt man also nicht umhin, verschiedene Systeme voneinander zu unterscheiden, also analytische Trennungen in System und Umwelt, aber auch zwischen System und den bei der Emergenz (Entstehung) von Strukturen zusammenwirkenden Systemkomponenten vorzunehmen. Eine ausschließlich analytische Vorgehensweise der Trennung in Teilelemente ist aber schon deshalb keine zielführende Strategie, weil bei einer zu extremen Reduktion wesentliche Qualitäten des Ganzen und damit auch der Elemente verloren gehen.