4. Wirklichkeits- und Möglichkeitskonstruktion

4.2. Fragen zur Möglichkeitskonstruktion – Entwicklung neuer Perspektiven

Was bedeutet es, neue Möglichkeiten zu konstruieren? Genauso wichtig wie die empathische Ausrichtung auf das Leiden und die Sorgen der Betroffenen ist die Empathie gegenüber den bisherigen Lösungsstrategien der Beteiligten – und noch mehr gegenüber den ungenutzten Potenzialen, die ihnen offenstehen.

Fragen zur Möglichkeitskonstruktion dienen genau diesem Zweck: Sie laden dazu ein, kreative Alternativen zirkulär ins Gespräch zu bringen. Dabei geht es nicht darum, ein System direkt zu neuen Lösungen zu drängen, sondern spielerisch neue Denk- und Handlungsoptionen anzubieten. Diese müssen weder realistisch noch unmittelbar umsetzbar sein – entscheidend ist, dass sie das Spektrum der Möglichkeiten erweitern.

Das hypothetische Fragen („Angenommen, dass …“, „Was wäre, wenn …“, „Gesetzt den Fall, dass …“, „Wer würde dann wie reagieren?“) ermöglicht ein unverbindliches Erkunden neuer Wege und reduziert die Angst vor Veränderungen

Zudem erlaubt sie, frecher oder mutiger zu fragen. Sie schafft eine „Als-ob-Realität“, die niemanden festlegt, aber dennoch die Aufmerksamkeit spielerisch auf produktive Alternativen lenkt.


a) Lösungsorientierte Fragen (Verbesserungsfragen)

• Wie oft (wie lange, wann) ist das Problem nicht aufgetreten? Was haben Sie und andere in diesen Zeiten anders gemacht?  – Wie haben Sie es geschafft, in diesen Zeiten das Problem nicht auftreten zu lassen?

b) Fragen nach Ressourcen

• Was möchten Sie in Ihrem Leben gern bewahren, wie es ist? 

• Was machen Sie gern, gut etc.?

• Was müssten Sie tun, um mehr davon zu machen?

c) Die Wunderfrage

• Wenn das Problem plötzlich weg wäre (weil eine Fee Sie geküsst hat, nach einer Operation, durch Gottes Wirken oder aus sonstigen Gründen): Was würden Sie am Morgen danach als Erstes anders machen? Was danach?

• Wer wäre am meisten überrascht davon?

• Was würden Sie am meisten vermissen in Ihrem Leben, wenn das Problem plötzlich weg wäre?

 

 * Die Fragen wurden übernommen aus Schlippe/Schweitzer 2019, S. 49-53.