3. Systemische Grundlagen und Prinzipien

3.2. Systemdenken

Das Systemdenken in der Systemtheorie fasst die typischen Sichtweisen von Systemiker:innen zusammen:

  • Systeme bestehen aus einer Vielzahl von Einheiten unterschiedlichster Art, die als Ganzes bestimmte Eigenschaften hervorbringen und aufrechterhalten.
  • Systemgrößen sind nicht starr, sondern unterliegen einem ständigen Wandel.
  • Auch Stabilität wird nur durch fortlaufende Aktivitäten erreicht.
  • Prozesse stehen im Mittelpunkt der Betrachtung – nicht statische Zustände.
  • Neben binären Unterscheidungen (z. B. schwarz-weiß, ja-nein) existieren viele analoge Größen, von denen manche analytisch nicht beschreibbar sind.
  • Systemgrößen existieren nicht isoliert, sondern in wechselseitiger Abhängigkeit. Sie können fördernd oder hemmend auf andere Größen wirken.
  • Regelkreise, Rückkopplungen und Prozesskreisläufe führen zu wiederkehrenden Mustern und stabilisieren bestimmte Eigenschaften eines Systems.
  • Alle Systemteile sind selbst Systeme (oft als Subsysteme bezeichnet), die ihre Struktur, Energie und Aktivität in das Gesamtsystem einbringen – jedoch auch eigenständige Bereiche haben, die ihrer eigenen Steuerung unterliegen.
  • Jeder Systemteil kann mehreren Systemen gleichzeitig angehören und dort unterschiedliche Funktionen erfüllen.
  • Klassische und fachliche Sichtweisen (z. B. einfache Mechanik, lineares oder kategorisches Denken) dienen der Reduktion von Komplexität in größeren Systemen. Sie können für Teillösungen hilfreich sein, stoßen jedoch in dynamischen, vielschichtigen Zusammenhängen an ihre Grenzen. Eine ganzheitlichere, flexiblere Betrachtung ist oft erforderlich – ohne dabei Effektivitätsprinzipien zu vernachlässigen.
  • Die Unterscheidung zwischen Systeminnerem und Außenwelt sowie deren Wechselwirkungen sind entscheidende Aspekte der Systembetrachtung.