Zu Entwurf 1:
Ein Problem könnte hier sein, dass wir glauben, was wir sehen und das ist im ersten Moment ein blonder, weißer Mann in Arbeitskleidung. Wer sich dann tatsächlich die Zeit nimmt, den Text zu lesen, erhält in der ersten Zeile ("Matthias. 43. Tischler") dieselbe Information. Liest die Person weiter, werden unnötigerweise Minderheitenmerkmale wie Kopftuch und Dreadlocks genannt, die aber im Gehirn nicht mit der eigentlichen Botschaft verknüpft werden, dass Vorurteile abgebaut werden sollen. Zudem ist es auch paradox, weil die Message für Vielfalt in einem Unternehmen durch das Abbild der Mehrheitsgesellschaft untermauert wird? Auch das vereinzelte Wort "furzegal" fällt hier unharmonisch auf, da es dem Rest des Sprachstils nicht entspricht und wirkt zu gewollt.
Ich würde keine Person der Mehrheitsgesellschaft alleine auf dem Plakat abbilden. Ich würde keinen langen Text schreiben. Ich würde keine Begriffe wie Kopftuch verwenden. Ich würde einen Sprachstil konsequent verwenden.
Zu Entwurf 2:
Dieses Plakat gefällt mir besser. Der Blick wird zuerst auf die zwei verschmelzenden Gesichter gelenkt und betont die Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Kulturen. Auch der Satz ist nicht zu lang und transportiert dieselbe Botschaft wie das Foto, was deren Wirkung noch verstärkt. Es werden auch gesellschaftlich diskutierte Begriffe wie Kopftuch oder Dreadlocks weggelassen, was sofortige Assoziationen auslösen würde, die nicht zum beabsichtigten Ziel führen. Allerdings würde ich nicht Namen wie Sabine oder Fatima verwenden, da diese Name auch wieder Klischées sind. Bei den Worten "Dir doch auch!" habe ich zuerst daran gedacht, dass jemand mit schmutzigen Fingern mein Brot knetet und ich durch den Verzehr dann krank würde, weshalb es mir nicht egal ist, wer mein Brot knetet.
Theorien:
Das Jeder-kennt-jeden-Gesetz könnte hierbei verbildlichen, da es aufzeigt, dass wir enger verbunden sind, als wir denken und diese Nähe ggf. mehr Nähe schafft, welche wiederum die Ressentiments etwas aufweichen könnte.
Relatives Framing, welches sich auf die Verbindungen fokussiert, die zwischen den Akteuren bestehen und so Grenzen verschwimmen lässt, könnte Aufschluss darüber geben, dass auf dem Plakat Inhalte repräsentiert werden sollten, mit denen sich verschieden Zielgruppen identifizieren können.
Die Kontakthypothese unterstützt das relative Framing, da sie die Zusammenarbeit und Interaktion der Akteure betont, um Ressentiments abzubauen.
Was würde ich ändern?
Die Kontakthypothese besagt, dass sie zusammenarbeiten müssen, dieser gemeinsame Aspekt der Interaktion fehlt in den Entwürfen noch. Die Personen werden als eigenständige Arbeiter:innen dargestellt. Also eher eine interaktive Szene mit mind. 2 Beteiligten?
Eigener Entwurf:
Ich würde Abstand nehmen, von den problematischen Themen und Bildern, ohne den Inhalt und die Botschaft zu verlieren. Ich suche also nach einem Beispiel, wo diese Problematik bereits sehr gut funktioniert, was mich an die Mimesis erinnert: Gibt es in der Tierwelt ein Beispiel, welches nach dem gleichen Prinzip abläuft? Einer Gruppe fehlt etwas, eine andere hat, was ihr fehlt und so ergänzen sie sich, was zu einer Symbiose führt. Wie könnte ich aber damit umgehen, dass zwei verschiedene Tiere zusammenarbeiten? Es macht zwar auch die Unterschiede sichtbar, aber sie dürfen ja auch da sein. Die Betonung sollte deshalb auf den Austausch und die Zusammenarbeit gesetzt sein. Deshalb sollte es besser das gleiche Tier sein. Es werden also keine Personen mit phänotypischen Merkmalen gezeigt, keine Wörter wie Kopftuch oder Dreadlocks verwendet und das Thema emotional entschärft, da es sich im neutralen Tierreich abspielt, was in diesem Zusammenhang keine Ressentiments auslösen sollte.
