Anwendungsaufgabe 1

Anwendungsaufgabe 1

von Sophie Schindler -
Anzahl Antworten: 1

Ein Konflikt zwischen globalen Handelsinteressen (EU-Kommission) und lokalen Existenzängsten

Worum geht es? Abkommen zwischen EU und Mercosur: Die Verhandlungen laufen seit über 25 Jahren. Am 17. Januar 2026 wurde das Handelsabkommen unterzeichnet. Ab 1. Mai ist der Handelsteil des Abkommens vorläufig in Kraft getreten. Für den zweiten Teil des umfassenderen Partnerschaftsabkommens müssten alle nationalen Parlamente der EU- sowie Mercosurstaaten ratifizieren (kann sich Jahre ziehen). Das Ergebnis wäre der größte Freihandelsraum der Welt (über 700 Millionen Menschen) für einen gemeinsamen Handelsraum. Besonders umstritten ist der Agrarsektor. Dieser stößt auf Widerstand bei Landwirten und Umweltschützern, besonders in Frankreich, Europas größtem Agrarproduzenten. Französische Landwirte blockierten am Tag vor der Abstimmung Straßen in Paris und überrannten Polizeikontrollen, um die Unterzeichnung zu verhindern. 

Beteiligte Akteure und ihre Interessen:

Direkte Akteure:

  • EU (27 Mitgliedstaaten)
  • Mercosur (5 Mitgliedstaaten und 7 assoziierte Staaten)
  • wichtige Handelspartner
  • EU Unternehmen
  • Agrarsektor: europäische Landwirte und Bauernverbände > Angst vor Konkurrenz billiger Produkte aus Südamerika
  • Gewerkschaften > mangelnde Umsetzung der ILO-Arbeitsrechtsnormen
  • Umweltorganisationen und indigene Völker > Gefährdung des Amazonas und Einsatz von Pestiziden und Antibiotika

 Indirekte Akteure:

  • China > Rohstoffabhängigkeit von China verringern
  • USA > Zeichen gegen Protektionismus
  • mögliche neue Arbeitsplätze (langfristig)

Beziehungen und Interaktionen:

globale Ebene:

  • EU und Mercosur Staaten:
    • größter Freihandelsraum der Welt; wirtschaftliche, politische und soziale Beziehungen vertiefen
    • Gegengewicht zur wirtschaftlichen Dominanz Chinas aufbauen
    • politisches Signal gegen zunehmenden Protektionismus der USA

 lokale Ebene:

  • Abkommen wirkt sich auf alle Bewohner der Mitgliedstaaten aus
  • europäische Landwirte fühlen sich in ihrer Existenz bedroht und protestieren > versuchen die Regierungsebene zu erreichen

Erklärungsversuch: Alle Akteure von globaler bis hin zu lokaler Ebene sind miteinander vernetzt. Das Netzwerk ist sehr komplex, da es viele beteiligte Akteure gibt (Bsp. Mitgliedsstaaten). Die Akteure haben unterschiedliche Ziele und Perspektiven, die es gilt zu vereinen, was sich wiederum auf unterschiedlichen Ebenen abspielt von (geo-) politischen, wirtschaftlichen, umweltlichen und sozialen Interessen. Teilweise überschneiden sich Interessen, weshalb seit so vielen Jahren immer noch weiterverhandelt wird. Diese sich überschneidenden Interessen sind eher auf globaler Ebene zu finden (herausgezoomt erscheint es homogener), denn desto weiter es ins lokale geht, scheiden sich die Geister, da z.B. die französischen Landwirte rein auf ihre lokale Ebene blicken (hingezoomt). Die Interessen auf globaler Ebene werden wiederum von weiteren globalen Faktoren unter Druck gesetzt, wie der wachsenden wirtschaftlichen Dominanz Chinas. Besonders über den langen Zeitraum hinweg wird deutlich, wie prozesshaft das ganze Vorhaben ist, da sich sowohl globale Gegebenheiten (Bsp. China oder zunehmender Protektionismus der USA) als auch lokale (z.B. steigende Existenzängste wegen strengerer EU-Auflagen im Agrarsektor) ständig im Wandel befinden. Hier versuchen die EU-Kommission und Mercosur in diesem Fluss Struktur herzustellen durch verbindliche Regeln, die selbst auch teilweise wandelbar bleiben sollen (z.B. die Schutzklauseln ggf. Zölle wieder zu erhöhen). Allein schon der Umstand, dass es darum geht, einen gemeinsamen Handelsraum zu schaffen (gemeinsames Akteursfeld), weist auf eine relationale Netzwerkperspektive hin, es geht um weltweite Vernetzung. Die hohe Komplexität führt zu großer Unsicherheit: es benötigt eine Perspektive der Interkulturalität. Neue Regeln, ein neues Miteinander muss erst ausgehandelt werden. Es gibt dementsprechend noch keine Konventionalisierungen und somit keine Handlungssicherheit, welche sich jedoch insbesondere die lokalen Akteure zu wünschen scheinen, da sie emotional mit Angst auf diese Unsicherheit reagieren und Sicherheiten fordern, die es noch nicht geben kann. Ihnen scheint nicht bewusst zu sein, dass sie sich inzwischen in einer BANI-Welt befinden. Wie können nun die globalen Akteure wie die EU-Kommission diesen (unrealistischen) Forderungen begegnen? Mit dem VOPA+ Modell (Vernetzung, Offenheit, Partizipation, Agilität und Vertrauen)? All diese Faktoren scheinen notwendig, um ein solches Abkommen irgendwann einmal zur Realität werden zu lassen. Gleichzeitig wehren sich die Widerständler insbesondere auf lokaler Ebene genau gegen genau diese Werte. Also doch besser die Existenzangst ernst nehmen und bei der Wurzel packen? Wie macht man das? Hierfür würde ich nun in eine psychologische Richtung weiterüberlegen. Das ist wichtig, denn ich glaube, dass Angst eher Polarisierung anstatt Miteinander schafft.

Quellen:

https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/574931/das-eu-mercosur-abkommen/

https://www.tagesschau.de/ausland/europa/mercosur-abkommen-proteste-100.html

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/mercosur-auf-dem-weg-2398594


Als Antwort auf Sophie Schindler

Re: Anwendungsaufgabe 1

von Maja Störmer -
Hallo Sophie,

danke für Deinen Beitrag! Ich habe ihn in dem entsprechenden Forum in Block 1 nochmal verbaut lächelnd.
Dieses Forum können wir gerne für den Austausch unabhängig von den Anwendungsaufgaben nutzen. So ist es übersichtlicher.

Viele Grüße
Maja