Das Matthias-Claudius-Denkmal am Wandsbeker Markt in Hamburg

Das Matthias-Claudius-Denkmal am Wandsbeker Markt in Hamburg

von Jutta Seifert -
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Ausschnitt Makroebene

Die Makroebene zeigt einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt in Hamburg- den Wandsbeker Markt, der hier als Akteursfeld beschrieben wird. Am Wandsbeker Markt treten täglich tausende Pendler vom Bus in das U-Bahn-System ein. Hier kreuzen sich wichtige Straßenzüge für den Berufsverkehr- teils 6-spurig. Hier stehen auf dem mittigen Marktplatz über das Jahr regelmäßig wiederkehrend, einladende Buden mit Essen und Trinken. Sie locken Menschen zum Wintermarkt, Oktoberfest und Beachclub. Hier schließt sich auf der nördlichen Straßenseite ein Einkaufszentrum an, im Süden steht das Rathaus und nach Westen geht es Richtung Innenstadt und zum S-Bahnanschluss. Insgesamt ist das Akteursfeld geprägt von Bewegung, Trubel und Konsum.

Die Ost-Straßenseite wird in den Rush-hourn vernachlässigt. Zwar strömen dort die Fahrzeuge zu Tausenden vorbei, doch bleibt der Blick dort nicht hängen. Es gibt kein Ziel dort, das von Interesse scheint. Dort steht über die gesamte Straßenlänge eine Kirche, die das Stadtbild zwar prägt, aber für den Pendler erstmal von geringerer Bedeutung ist. So wird diese Straßenseite des Wandsbeker Marktes am wenigsten genutzt. Nach 5 Jahren meines Umzugs in diesen Stadtteil, betrat ich das erste Mal diese Straßenseite und durfte etwas Wunderschönes entdecken.

Ausschnitt Mesoebene

Ein wunderschönes Bronzerelief steht neben der Kirche. Mit seinen 5 x 2,5 Metern Ausmaßen ist es von beeindruckender Größe. Weil es aber seitlich zur Straße ausgerichtet ist und durch Buschwerk leicht verdeckt wird, will das Relief entdeckt werden und zeigt seine Schönheit nicht demjenigen, der schnell vorbeiläuft, um ins Einkaufszentrum zu gelangen oder gar nur mit dem Auto vorbeirauscht.

Ausschnitt Mikroebene

Verwundert über das Motiv und neugierig auf Details, kann der Betrachter am Sockel sieben Tafeln mit Goldlettern entdecken, die die sieben Liedstrophen des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“ beinhalten. Insgesamt eine sehr überraschende, stille Schönheit in den lauten Abläufen des Wandsbeker Marktes.


Zusammenspiel der Perspektiven zur Erklärung des Wahrgenommenen

Als erstes hatte ich aus der Mesoebene das Denkmal als reine Skulptur wahrgenommen, die zum Kirchengelände gehören müsste. Mond und Sterne assoziierte ich mit der Schöpfung Gottes. Mein Eintreten in die Mikroeebene durch Nähertreten an das Bronzerelief, ließ mich die Texttafeln entdecken und den Zusammenhang zum Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Ich fand es erstaunlich, dass einem Lied eine Skulptur gewidmet wird. Weitere Texttafeln zur Erläuterung gab es nicht.

Der Blick ins Internet verhalf mir noch weiter heraus- und hineinzuzoomen.

Herauszoomen: Das Relief steht nicht im Zusammenhang zu der Kirche, sondern am Eingang zu einem historischen Friedhof. Auf dem ehemaligen Friedhof, der heute eher als Grünstreifen bezeichnet werden würde, stehen noch zwei Grabkreuze für den Liedverfasser Matthias Claudius und seine Frau. An Matthias Claudius erinnert auch das benachbarte Matthias-Claudius-Gymnasium wie auch eine weitere Skulptur auf dem Marktplatz.

Hineinzoomen: Kleinteiligere Informationen lieferten Internetseiten. Das Relief wurde zum 200. Todestag im Jahr 2015 aufgestellt. Der Künstler ist der Worpsweder Waldemar Otto. Matthias Claudius war nicht nur ein deutschlandweit bekannter Liedschreiber, sondern lebte und wirkte in Hamburg-Wandsbek als Redakteur des bedeutenden Blattes „Wandsbeker Bothe“.

Das Zusammenspiel der Perspektiven hat mir geholfen, meinen Stadtteil neu zu entdecken. Der Wandsbeker Markt ist so viel mehr als nur Infrastruktur. Der Verkehrsknotenpunkt beinhaltet für mich nun auch Wandsbeker Geschichte, die mit interessanten Lebensläufen verknüpft ist. Somit dient das Areal heutzutage nicht nur zum sich Fortbewegen und Einkaufen, sondern auch zum Innehalten, Verweilen und Genießen von Kunst, Historie und kleinsten Ruheoasen. So hat das Heraus- und Hineinzoomen meinen Blick auf das Akteursfeld Wandsbeker Markt komplementiert. Ich habe wahrgenommen, dass noch mehr Menschengruppen mit dem Sozialraum vernetzt sind. Nicht nur Pendler und Shopper nutzen den Wandsbeker Markt, sondern auch Tote sind mit dem Ort vernetzt, wie auch Historiker und Kunstliebhaber.