Ausschnitt Makroebene
Die Makroebene zeigt einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt in
Hamburg- den Wandsbeker Markt, der hier als Akteursfeld beschrieben wird. Am
Wandsbeker Markt treten täglich tausende Pendler vom Bus in das U-Bahn-System
ein. Hier kreuzen sich wichtige Straßenzüge für den Berufsverkehr- teils
6-spurig. Hier stehen auf dem mittigen Marktplatz über das Jahr regelmäßig wiederkehrend,
einladende Buden mit Essen und Trinken. Sie locken Menschen zum Wintermarkt,
Oktoberfest und Beachclub. Hier schließt sich auf der nördlichen Straßenseite ein
Einkaufszentrum an, im Süden steht das Rathaus und nach Westen geht es Richtung
Innenstadt und zum S-Bahnanschluss. Insgesamt ist das Akteursfeld geprägt von
Bewegung, Trubel und Konsum.
Die Ost-Straßenseite wird in den Rush-hourn vernachlässigt. Zwar
strömen dort die Fahrzeuge zu Tausenden vorbei, doch bleibt der Blick dort
nicht hängen. Es gibt kein Ziel dort, das von Interesse scheint. Dort steht
über die gesamte Straßenlänge eine Kirche, die das Stadtbild zwar prägt, aber
für den Pendler erstmal von geringerer Bedeutung ist. So wird diese Straßenseite
des Wandsbeker Marktes am wenigsten genutzt. Nach 5 Jahren meines Umzugs in
diesen Stadtteil, betrat ich das erste Mal diese Straßenseite und durfte etwas Wunderschönes
entdecken.
Ausschnitt Mesoebene
Ein wunderschönes Bronzerelief steht neben der Kirche. Mit
seinen 5 x 2,5 Metern Ausmaßen ist es von beeindruckender Größe. Weil es aber
seitlich zur Straße ausgerichtet ist und durch Buschwerk leicht verdeckt wird,
will das Relief entdeckt werden und zeigt seine Schönheit nicht demjenigen, der
schnell vorbeiläuft, um ins Einkaufszentrum zu gelangen oder gar nur mit dem
Auto vorbeirauscht.
Ausschnitt Mikroebene
Verwundert über das Motiv und neugierig auf Details, kann
der Betrachter am Sockel sieben Tafeln mit Goldlettern entdecken, die die sieben
Liedstrophen des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“ beinhalten. Insgesamt eine sehr
überraschende, stille Schönheit in den lauten Abläufen des Wandsbeker Marktes.
Zusammenspiel der Perspektiven zur Erklärung des Wahrgenommenen
Als erstes hatte ich aus der Mesoebene das Denkmal als reine
Skulptur wahrgenommen, die zum Kirchengelände gehören müsste. Mond und Sterne
assoziierte ich mit der Schöpfung Gottes. Mein Eintreten in die Mikroeebene durch
Nähertreten an das Bronzerelief, ließ mich die Texttafeln entdecken und den Zusammenhang
zum Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Ich fand es erstaunlich, dass einem Lied
eine Skulptur gewidmet wird. Weitere Texttafeln zur Erläuterung gab es nicht.
Der Blick ins Internet verhalf mir noch weiter heraus- und
hineinzuzoomen.
Herauszoomen: Das Relief steht nicht im Zusammenhang
zu der Kirche, sondern am Eingang zu einem historischen Friedhof. Auf dem ehemaligen
Friedhof, der heute eher als Grünstreifen bezeichnet werden würde, stehen noch
zwei Grabkreuze für den Liedverfasser Matthias Claudius und seine Frau. An
Matthias Claudius erinnert auch das benachbarte Matthias-Claudius-Gymnasium wie
auch eine weitere Skulptur auf dem Marktplatz.
Hineinzoomen: Kleinteiligere Informationen lieferten
Internetseiten. Das Relief wurde zum 200. Todestag im Jahr 2015 aufgestellt.
Der Künstler ist der Worpsweder Waldemar Otto. Matthias Claudius war nicht nur
ein deutschlandweit bekannter Liedschreiber, sondern lebte und wirkte in
Hamburg-Wandsbek als Redakteur des bedeutenden Blattes „Wandsbeker Bothe“.
Das Zusammenspiel der Perspektiven hat mir geholfen, meinen
Stadtteil neu zu entdecken. Der Wandsbeker Markt ist so viel mehr als nur Infrastruktur. Der Verkehrsknotenpunkt beinhaltet für mich nun
auch Wandsbeker Geschichte, die mit interessanten Lebensläufen verknüpft ist. Somit dient das Areal heutzutage nicht nur zum sich Fortbewegen und Einkaufen,
sondern auch zum Innehalten, Verweilen und Genießen von Kunst, Historie und
kleinsten Ruheoasen. So hat das Heraus- und Hineinzoomen meinen Blick auf das
Akteursfeld Wandsbeker Markt komplementiert. Ich habe wahrgenommen, dass noch
mehr Menschengruppen mit dem Sozialraum vernetzt sind. Nicht nur Pendler und Shopper
nutzen den Wandsbeker Markt, sondern auch Tote sind mit dem Ort vernetzt, wie
auch Historiker und Kunstliebhaber.