Thema 1: Proteste der "Letzten Generation" (Klimablockaden 2022–2024)
BILD: "Anschlags-Pakt! Klima-Chaoten verbünden sich mit Linksextremen"

taz: bezeichnet dieselbe Gruppe durchgehend neutral bis wohlwollend als "Klimaaktivist:innen", die mit "zivilem Ungehorsam" mehr Klimaschutz erzwingen wollen

https://taz.de/Nach-der-Hitzewelle-fragt-sich-das-Internet-wo-die-Letzte-Generation-bleibt/!6192805/
Hier zeigt sich Framing schon in der reinen Wortwahl für die Akteure: "Klima-Chaoten" (BILD) kriminalisiert und delegitimiert die Protestierenden, ordnet sie in die Nähe von Extremismus ein und fokussiert auf Regelverstoß/Störung des Alltags. "Klimaaktivist:innen" (taz) dagegen betont das politische Anliegen und die Legitimität des Protests als demokratisches Mittel. Besonders spannend fürs Framing-Konzept: Es geht um exakt dieselben Handlungen (Straßenblockaden, Ankleben), aber je nach Rahmung erscheinen sie entweder als kriminelle Störaktion oder als legitimer, wenn auch unbequemer, demokratischer Widerstand.
Thema 2: Bauernproteste gegen die Subventionskürzungen (Januar 2024)
Süddeutsche Zeitung: "Hier ist das Volk"

https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-aiwanger-bauernproteste-bauerndemos-1.6329875?reduced=true
Handelsblatt: "Bauernproteste: Wie geht es den Bauern finanziell wirklich? [...] Ist die Wut berechtigt?"
Hier zeigt sich Framing bereits in der Anspielung der Überschrift selbst: Die SZ zitiert bewusst den DDR-Bürgerrechtsslogan "Wir sind das Volk" von 1989 und verleiht den protestierenden Bauern damit historisch-demokratische Legitimität – sie werden als authentischer Ausdruck des Volkswillens gegen eine abgehobene Regierung dargestellt. Das Handelsblatt dagegen stellt die wirtschaftliche Notlage der Bauern explizit infrage und rechnet nach, welche Höfe tatsächlich am meisten verdienen – die offene Frage "Ist die Wut berechtigt?" rahmt den Protest als möglicherweise übertriebene Reaktion einer Berufsgruppe, der es finanziell gar nicht so schlecht geht. Besonders spannend fürs Framing-Konzept: Es geht um exakt dieselben Fakten (Subventionskürzungen, Höhe der Agrareinkommen, Traktorblockaden), aber je nach Rahmung erscheinen die Proteste entweder als legitimer demokratischer Aufschrei "des Volkes" oder als hinterfragenswerte Klage einer Berufsgruppe mit besserer Einkommenslage als behauptet.
