1. Framing von Leihmutterschaft
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.07.2026, Seite 1

Süddeutsche Zeitung vom 22.07.2026, Seite 2

Erläuterung
Die Süddeutsche Zeitung ist eine linksliberale Zeitung. Die FAZ ist konservativer. Dies drückt sich auch in der Kommunikation der Artikel aus.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung setzt das Thema
Leihmutterschaft auf Seite 1 nüchtern – ohne Bild - in einen ethischen Rahmen.
Der Artikel benutzt dementsprechend gleich eingangs Wörter wie „Würde der Frauen“
und „Würde des Kindes“. Auf der Inhaltsebene wird sich auf die altruistische
Form bezogen, bei der keine monetäre Entlohnung erfolgt, aber bei der auch Gesundheitsrisiken
sind und psychischer Druck auf den Leihmüttern liege . Es wird darüber
informiert, wie es in anderen Ländern gehandhabt wird und wie die einzelnen Parteien
als auch der Ethikrat in Deutschland sich dazu positionieren.
Der indirekte Appell ist, nicht über einen Einzelfall sich eine
Meinung zu bilden oder sich vom Geldfluss ablenken zu lassen, sondern mit
Abstand eine ethische Dilemma-Diskussion zu führen, um so zu einer guten
Regelung zu kommen.
Der Journalist nimmt zum Leser hauptsächlich eine
monodirektionale Beziehung über die Inhaltsebene auf. Er bietet Inhalte aus
Makro- und Mesoebene an, so dass intellektuelle neue Erfahrungen dazu beitragen
können, die Diskussion beim Leser zu starten. So kann der Leser einerseits sein
eigenes Frame zum Thema Leihmutterschaft überdenken und ggf. erweitern, als
auch durch die Diskussion im Bekanntenkreis, innerhalb des persönlichen
Netzwerkes, dazu beitragen, andere Frames aufzubrechen und ggf. neu zusammenzusetzen.
Hingegen schreibt die Süddeutsche Zeitung auf Seite 2 mit
emotionalisierendem Bild einer Schwangeren zu dem Thema Leihmütterschaft, indem
sie vier individuelle Menschen zu Wort kommen lässt: eine Leihmutter, zwei
Väter und eine Wissenschaftlerin. Der indirekte Appell lautet: „Jeder werde
glücklich auf seine eigene Art und Weise. Wer bist du, dass du dir erlaubst,
über das Glück anderer entscheiden zu wollen.“ Der Appell findet sich bereits
in der Überschrift, die aus einem Zitat besteht: „Das ist, was ich mit meinem
Körper machen möchte.“ Der Gedanke, dass Leihmütterschaft nicht falsch sein
kann, wird untermauert, indem auch eine Wissenschaftlerin zu Worte kommt. Sie
berichtet, dass Sie vielen „starken und selbstbewussten Frauen“ begegnet ist.
Sie widerlegt ethische Bedenken zur Bezahlung, indem sie sagt, eine
altruistische Leihmutter würde für ihre Sorgearbeit wieder einmal unbezahlt
ausgenutzt werden. Schließlich bekäme der Reproduktionsmediziner auch sein
Geld. Sie widerlegt, die Ausnutzung von Frauen, indem sie berichtet, dass viele
Familien den Kontakt zu den Leihmüttern und Eizellspendern aufrechterhalten
würden. Macht und Missbrauch sieht die
Wissenschaftlerin nur, wenn es um eine geschlossene Leihmutterschaft geht, wo
Eltern und Leihmutter anonym bleiben.
Der Artikel hat einen starken Akzent auf der Beziehungsebene.
Der Leser verbindet sich mit den interviewten Personen und fühlt mit ihren persönlichen
Erfahrungen mit. Selbst die Wissenschaftlerin spricht über persönlich
getroffene Menschen und qualitative Daten. Der Frame wird damit auf der
Mikroebene geöffnet und die beschriebenen sozialen Reziprozitäten entstehen eigentlich
nur, weil sich zwei Parteien treffen, die in der Selbst-Reprozität zu einer
Entscheidung gekommen sind. Damit schließen die Autoren -gemäß ihres Appells-
aus, dass der Leser in die weitere soziale Reziprozität geht.