Journalistisches Framing am Beispiel von Femiziden und dem Anschlag auf den CSD in Berlin

von Nina Bredereck -

Liebe alle,

zur Einordnung zu meiner Themenwahl:
https://glocal-campus.org/pluginfile.php/80843/mod_forum/post/1246/Anwendungsaufgabe%205.odt
Ich habe mich für einerseits Femizide und deren Framing entschieden, da ich im Gleichstellungsbüro einer Technischen Universität arbeite und eine gute Freundin im sozialen Bereich habe, die in Kooperation mit einem Frauenhaus arbeitet und über viele extreme Fälle, gerade in letzter Zeit berichtet hat.

Außerdem habe ich mich für den Anschlag auf den CSD in Berlin entschieden, weil sehr gute Freunde von uns kurz vor dem Anschlag sich genau an der Stelle aufgehalten haben. Dementsprechend ist dieses Thema sehr präsent.

Daher kann meine Einordnung auch eingefärbt sein und ich selbst nicht frei sein von den konstituierenden Kontexten.

Viele Grüße,
Nina

Journalistisches Framing

von Isabelle Widmer -

Thema 1: Proteste der "Letzten Generation" (Klimablockaden 2022–2024)

BILD: "Anschlags-Pakt! Klima-Chaoten verbünden sich mit Linksextremen"


https://www.bild.de/regional/leipzig/leipzig-news/leipzig-an-tag-x-anschlags-pakt-von-klima-chaoten-mit-linksextremen-83647554.bild.html


taz: bezeichnet dieselbe Gruppe durchgehend neutral bis wohlwollend als "Klimaaktivist:innen", die mit "zivilem Ungehorsam" mehr Klimaschutz erzwingen wollen


https://taz.de/Nach-der-Hitzewelle-fragt-sich-das-Internet-wo-die-Letzte-Generation-bleibt/!6192805/

Hier zeigt sich Framing schon in der reinen Wortwahl für die Akteure: "Klima-Chaoten" (BILD) kriminalisiert und delegitimiert die Protestierenden, ordnet sie in die Nähe von Extremismus ein und fokussiert auf Regelverstoß/Störung des Alltags. "Klimaaktivist:innen" (taz) dagegen betont das politische Anliegen und die Legitimität des Protests als demokratisches Mittel. Besonders spannend fürs Framing-Konzept: Es geht um exakt dieselben Handlungen (Straßenblockaden, Ankleben), aber je nach Rahmung erscheinen sie entweder als kriminelle Störaktion oder als legitimer, wenn auch unbequemer, demokratischer Widerstand.


Thema 2: Bauernproteste gegen die Subventionskürzungen (Januar 2024)

Süddeutsche Zeitung: "Hier ist das Volk"


https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-aiwanger-bauernproteste-bauerndemos-1.6329875?reduced=true


Handelsblatt: "Bauernproteste: Wie geht es den Bauern finanziell wirklich? [...] Ist die Wut berechtigt?"

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bauernproteste-wie-geht-es-den-bauern-finanziell-wirklich/100005763.html

Hier zeigt sich Framing bereits in der Anspielung der Überschrift selbst: Die SZ zitiert bewusst den DDR-Bürgerrechtsslogan "Wir sind das Volk" von 1989 und verleiht den protestierenden Bauern damit historisch-demokratische Legitimität – sie werden als authentischer Ausdruck des Volkswillens gegen eine abgehobene Regierung dargestellt. Das Handelsblatt dagegen stellt die wirtschaftliche Notlage der Bauern explizit infrage und rechnet nach, welche Höfe tatsächlich am meisten verdienen – die offene Frage "Ist die Wut berechtigt?" rahmt den Protest als möglicherweise übertriebene Reaktion einer Berufsgruppe, der es finanziell gar nicht so schlecht geht. Besonders spannend fürs Framing-Konzept: Es geht um exakt dieselben Fakten (Subventionskürzungen, Höhe der Agrareinkommen, Traktorblockaden), aber je nach Rahmung erscheinen die Proteste entweder als legitimer demokratischer Aufschrei "des Volkes" oder als hinterfragenswerte Klage einer Berufsgruppe mit besserer Einkommenslage als behauptet.

Journalistisches Framing

von Malte Mordeja -

Thema 1.: Ausscheiden Deutschlands bei der Fußball-WM 2026

Die ZEIT (Deutschland):


abc (Paraguay)


("Paraguay schmeißt Deutschland raus und erringt weiteren Sieg gegen eine europäische Mannschaft bei Weltmeisterschaften")

Während der Fokus bei der ZEIT (und vermutlich allen deutschen Medien) auf dem "kläglichen Versagen" Deutschlands liegt und Paraguay nur Nebendarsteller ist, liegt der Fokus in Paraguays abc auf der historischen Leistung Paraguays.


Thema 2: Anschlag auf den Berliner CSD

Linke NRW:



Kronen:


BILD:


Während der Fokus der Linken auf dem Angriff der Diversität und Demokratie liegt und die Kronenzeitung Versagen der Behörden suggeriert, "gamifiziert" die BILD fast schon die Suche nach dem Attentäter.

Alkoholverbaot an Bahnhöfen

von Jutta Seifert -

2. Alkoholverbot an Bahnhöfen

TAZ, Die Tageszeitung vom 22.07.2026, Seite 8



FAZ Online vom 21.07.2026, https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bahn-alkoholverbot-an-allen-bahnhoefen-geplant-accg-201049435.html



Erläuterung

Die TAZ ist eine linksalternative Zeitung, die FAZ ist konserbativ. Während die Einschränkung von individuellen Rechten für die TAZ gut begrüdnet sein müsste, setzt die FAZ ihre Hoffnung auf Ordnung und Sicherheit für die Allgemeinheit.

Die TAZ schreibt auf Seite 8 in der Rubrik Wirtschaft und Umwelt vom geplanten Alkoholverbot auf Bahnhöfen. Der Anlass ist, dass wiederholte Gewaltereignisse in Zügen und auf Bahnhöfen Handlungsbedarf offenbaren. Das angekündigte Alkoholverbot wird in dem Artikel als nicht plausibel oder passend dargestellt. Der Autor macht Widersprüche deutlich. Alkoholverbot auf dem Gleis – aber Alkoholausschank im Bordrestaurant. Alkoholtrinkverbot im Bahnhof – aber Alkoholeinkauferlaubnis im Bahnhof. Verbotszonen – aber keine Möglichkeit der konsequenten Durchsetzung.
Damit wird ausgedrückt, dass das neue Verbot nicht sinnhaft ist und wenig dazu beiträgt, eine neue Kultur zu etablieren, in der weniger Gewaltsituationen mit Zugbegleitern entstehen. Aus der Mikroebene werden Zitate veröffentlicht, die das verfestigen sollen:
„Wenn man etwas vollmundig ankündigt, muss man es erst zu Ende denken.“ Und: „Wichtig sei vor allem eine ausreichende Personalstärke, vor allem bei Kontrollen…“

Die FAZ baut ein Narrativ auf, in dem bei den Lesern Sorgen und Ängste angesprochen werden. Die Sicherheit und Ordnung seien bedroht und müssten wieder hergestellt werden. Das wird untermauert durch Zitate  der Bahnchefin: „Es reicht. Genug ist genug. Wir greifen jetzt noch härter durch.“, „Für mich zählt nur eins: der Schutz unserer Kollegen und unserer Reisenden.“ Die Zitate machen dem Leser ein Identifikationsangebot, das ihm aus dem Herzen sprechen kann.

Ansonsten ist der Artikel sehr sachlich-informativ gehalten, da die Nachricht in das Weltbild des Verlages passt. Die Erfahrung über die Ankündigung zur neuen Regelung passt in die Erwartung des Mindsets/Frames. So wird beispielsweise die in der TAZ empfundenen Unplausibilität nur kurz sachlich erwähnt: "Ausgenommen von der Regelung solle der Ausschank innerhalb der Bahnhofsgastronomie sein."


Leihmutterschaft

von Jutta Seifert -

1. Framing von Leihmutterschaft

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.07.2026, Seite 1




Süddeutsche Zeitung vom 22.07.2026, Seite 2



Erläuterung
Die Süddeutsche Zeitung ist eine linksliberale Zeitung. Die FAZ ist konservativer. Dies drückt sich auch in der Kommunikation der Artikel aus.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung setzt das Thema Leihmutterschaft auf Seite 1 nüchtern – ohne Bild - in einen ethischen Rahmen. Der Artikel benutzt dementsprechend gleich eingangs Wörter wie „Würde der Frauen“ und „Würde des Kindes“. Auf der Inhaltsebene wird sich auf die altruistische Form bezogen, bei der keine monetäre Entlohnung erfolgt, aber bei der auch Gesundheitsrisiken sind und psychischer Druck auf den Leihmüttern liege . Es wird darüber informiert, wie es in anderen Ländern gehandhabt wird und wie die einzelnen Parteien als auch der Ethikrat in Deutschland sich dazu positionieren.

Der indirekte Appell ist, nicht über einen Einzelfall sich eine Meinung zu bilden oder sich vom Geldfluss ablenken zu lassen, sondern mit Abstand eine ethische Dilemma-Diskussion zu führen, um so zu einer guten Regelung zu kommen.

Der Journalist nimmt zum Leser hauptsächlich eine monodirektionale Beziehung über die Inhaltsebene auf. Er bietet Inhalte aus Makro- und Mesoebene an, so dass intellektuelle neue Erfahrungen dazu beitragen können, die Diskussion beim Leser zu starten. So kann der Leser einerseits sein eigenes Frame zum Thema Leihmutterschaft überdenken und ggf. erweitern, als auch durch die Diskussion im Bekanntenkreis, innerhalb des persönlichen Netzwerkes, dazu beitragen, andere Frames aufzubrechen und ggf. neu zusammenzusetzen.

Hingegen schreibt die Süddeutsche Zeitung auf Seite 2 mit emotionalisierendem Bild einer Schwangeren zu dem Thema Leihmütterschaft, indem sie vier individuelle Menschen zu Wort kommen lässt: eine Leihmutter, zwei Väter und eine Wissenschaftlerin. Der indirekte Appell lautet: „Jeder werde glücklich auf seine eigene Art und Weise. Wer bist du, dass du dir erlaubst, über das Glück anderer entscheiden zu wollen.“ Der Appell findet sich bereits in der Überschrift, die aus einem Zitat besteht: „Das ist, was ich mit meinem Körper machen möchte.“ Der Gedanke, dass Leihmütterschaft nicht falsch sein kann, wird untermauert, indem auch eine Wissenschaftlerin zu Worte kommt. Sie berichtet, dass Sie vielen „starken und selbstbewussten Frauen“ begegnet ist. Sie widerlegt ethische Bedenken zur Bezahlung, indem sie sagt, eine altruistische Leihmutter würde für ihre Sorgearbeit wieder einmal unbezahlt ausgenutzt werden. Schließlich bekäme der Reproduktionsmediziner auch sein Geld. Sie widerlegt, die Ausnutzung von Frauen, indem sie berichtet, dass viele Familien den Kontakt zu den Leihmüttern und Eizellspendern aufrechterhalten würden.  Macht und Missbrauch sieht die Wissenschaftlerin nur, wenn es um eine geschlossene Leihmutterschaft geht, wo Eltern und Leihmutter anonym bleiben.

Der Artikel hat einen starken Akzent auf der Beziehungsebene. Der Leser verbindet sich mit den interviewten Personen und fühlt mit ihren persönlichen Erfahrungen mit. Selbst die Wissenschaftlerin spricht über persönlich getroffene Menschen und qualitative Daten. Der Frame wird damit auf der Mikroebene geöffnet und die beschriebenen sozialen Reziprozitäten entstehen eigentlich nur, weil sich zwei Parteien treffen, die in der Selbst-Reprozität zu einer Entscheidung gekommen sind. Damit schließen die Autoren -gemäß ihres Appells- aus, dass der Leser in die weitere soziale Reziprozität geht.



Journalistisches Framing

von Sophie Schindler -


https://www.computerbase.de/news/wirtschaft/hyperscaler-gigantisches-ki-rechenzentrum-in-utah-genehmigt.97213/


https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/rechenzentren-fluch-segen-100.html

Thema 1: KI-Rechenzentrum in Utah

Beide Artikel berichten über den Bau des KI-Rechenzentrums in Utah. Liest man den Artikel der Computer Base wird hier eher die Notwendigkeit durch den globalen Wettlauf betont. Es wird auch auf Herausforderungen eingegangen, wie den großen Stromverbrauch, wofür gleich eine Lösung präsentiert wird (unabhängige Stromversorgung vom öffentlichen Stromnetz) und dass das Projekt ohne vorherige Umweltprüfung genehmigt wurde.

Allerdings erfährt man erst in dem Artikel von der Tagesschau, dass das vielleicht größte Problem die Wasserversorgung ist. Hier wird auch die Perspektive der Gemeinde Eagle Mountain beleuchtet. Dieser Fokus wird direkt in der Überschrift klar, die emotionalisierend auf die "drohende Austrocknung" Utahs als Folge hinweist. Hier wird dagegen die Sichtweise der Chancen bezüglich des KI-Fortschritts bewusst ausgelassen. Es entsteht ein einseitiges Bild der Situation.



https://www.boerse.de/nachrichten/Warken-Es-bleibt-ein-ausgewogenes-Paket/38444389

https://www.tagesspiegel.de/politik/umstrittene-krankenkassenreform-bundestag-beschliesst-gesundheits-sparpaket--trotz-protest-der-hausarzte-15825510.html

Thema 2: Aktuelle Krankenkassenreform

Auf der einen Seite berichtet boerse.de über die Krankenkassenreform und betont hauptsächlich und zu Anfang die Position von Frau Warken, welche das Paket hauptverantwortlich ausgearbeitet hat. Sie nennen im Text Frau Warkens Argumente für die Änderungen wonach der Anschein erweckt wird, dass es sich um eine Verbesserung handelt und gerechtfertigt ist, weil eine Notwendigkeit besteht.

In dem Artikel vom Tagesspiegel wird dagegen stark die Seite des Gesundheitswesens und der Opposition betont, die einen anderen Blickwinkel auf die Reformen haben. Hier wird bereits in der Überschrift darauf hingewiesen, dass das Paket nicht ausgewogen sei, wie der andere Artikel hervorhebt, sondern umstritten. Dadurch, dass hier der Fokus auf eine andere Interessengruppe, welche von dem Konflikt betroffen ist gelegt wird (Hausärzte, Patienten, Opposition), verändert sich die Wahrnehmung komplett.

Es werden in beiden Artikeln jeweils unterschiedlichen Interessenparteien Raum für ihre Meinungen eingeräumt, was einen gegensätzlichen Blick auf das eigentliche Thema wirft, der stark verzerrt wird. Um ein umfassendes Bild zu erlangen, sollten also verschiedene Seiten gelesen werden.