Antwort Sophie

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von Sophie Schindler -
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Stereotype dienen zur Orientierung > Wenn ich in ein neues Land gehe, das ich nicht kenne, habe ich realistisch nur sehr wenig Orientierung. Das ist nun mal so, so ist das Leben und so ist es, neue Erfahrungen zu machen. Ja, das Gehirn sucht nach Sicherheit und Orientierung, darauf ist es programmiert, aber wir dürfen uns auch klar machen, dass diese Programmierung einzig und allein in unserem Kopf besteht und mit der Gegenwart nichts zu tun hat.

 

Wenn ich mich in Achtsamkeit übe und mir über diesen Vorgang und Bedürfnis bewusst bin, habe ich die Wahl: gebe ich diesem natürlichen Drang nach und suche nach (irgendeiner) Orientierung, was mir z.B. das Festhalten an Stereotypen angesichts dieser Ungewissheit bietet, jedoch eine Illusion ist oder entscheide ich mich für das Leben und den Moment, so wie es ist und akzeptiere, dass ich zwar das Bedürfnis nach Orientierung habe, ich mich aber noch gedulden darf, denn im Moment ist sie schlichtweg nicht vorhanden. Ich kann mich fragen, ob ich diese ggf. unbequeme Ungewissheit aushalten kann und wie ich ihr begegnen möchte.

 

Die zweite Wahl gibt uns viel mehr Handlungskraft und Selbsterkenntnis. Sie erlaubt es uns, diese neue Erfahrung als Herausforderung zu sehen, in der viele Chancen stecken, das Leben und uns selbst aus neuen Blickwinkel kennenzulernen.

 

Als Trainer sollte ich mir dieser Mechanismen bewusst sein. Ich sollte verstehen, dass die Teilnehmer diese Stereotype deshalb zwar dankend annehmen, ich ihnen damit aber nicht gebe, was sich wirklich brauchen, sondern schlicht den ersten unreflektierten Impuls bediene. Ein guter Trainer sollte meiner Ansicht nach den Teilnehmern nicht geben, was sie wollen, sondern was sie in diesem Kontext und Moment brauchen, auch, wenn es unbequem ist oder nicht jeden befriedigt.

 

Was lernen die Teilnehmer, wenn sie mit Sicherheit spendenden Stereotypen gefüttert werden? Auf jeden Fall lernen sie nicht den Umgang mit Unsicherheit, sondern wie man sie umgeht oder vermeidet. Sobald sie im Ausland sind, werden neue Situationen von Unsicherheit entstehen, was hilft es ihnen dann, auf diese Stereotype, die sich ggf. als nicht zutreffend in der jeweiligen Situation erweisen zurückzugreifen? Im schlimmsten Fall halten sie daran fest, was ihnen die notwendige Offenheit für Unsicherheitserfahrungen unzugänglich macht. Hätten sie jedoch schon im Training gelernt, wie sie ihrem Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit begegnen, indem sie sein Wesen verstehen und es nicht einfach unreflektiert befriedigen, könnten sie auf diese Erfahrung zurückgreifen und den neuen Unsicherheitserfahrungen im Ausland, nach dem Training, mit dieser nachhaltigen Ressource begegnen.

 

Zu Malte:

Ich glaube wie Jutta, dass es vom Vertrauen und der jeweiligen Gruppe abhängt. Ich denke aber, dass es in Ordnung ist zu fragen, im schlimmsten Fall bekommen wir keine Antwort und dadurch auch nicht die Möglichkeit zur Autoreflektion.