2. Herkunft und Weiterentwicklung des Konzepts

Der Ursprung des Konzepts reicht zurück zu Carl Rogers in die 1950er Jahre, der psychologische Sicherheit als Voraussetzung für Persönlichkeitsentwicklung beschrieb. Seit den 1990er Jahren hat Amy Edmondson diese Idee empirisch fundiert und theoretisch präzisiert. Ihre Arbeiten verankern psychologische Sicherheit sowohl in der Praxis als auch im wissenschaftlichen Diskurs und bieten eine tragfähige Grundlage für die Weiterentwicklung von Beziehungs- und Lernprozessen, gerade im interkulturellen Coaching.

Sicherheit entsteht dabei nicht durch bloße Akzeptanz oder Rücksichtnahme, sondern durch Beziehung – durch Resonanz, Responsivität und eine Haltung des echten Interesses. 

Ein zentraler Beitrag zum Verständnis psychologischer Sicherheit im Dialog stammt von Edgar H. Schein, der mit dem Konzept des Humble Inquiry („fragende Haltung mit Respekt und Zurückhaltung“) eine dialogische Grundhaltung beschreibt, die psychologische Sicherheit aktiv unterstützt. 

Humble Inquiry bedeutet: Fragen stellen, ohne bereits die Antwort zu kennen und ohne Machtanspruch oder Belehrung. Es geht darum, echtes Interesse am Gegenüber zu zeigen, Hierarchien bewusst zu deeskalieren und Räume zu schaffen, in denen andere ihre Sichtweise ausdrücken können, ohne sich bedroht zu fühlen.