Journalistisches Framing: Unterschiedliche Perspektiven auf das Afrika-Cup-Finale 2025 und Agilität in Organisationen

Journalistisches Framing: Unterschiedliche Perspektiven auf das Afrika-Cup-Finale 2025 und Agilität in Organisationen

von Marie-Joseph Gomis -
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Beispiel 1: Afrika-Cup-Finale 2025

Perspektive 1 : Quelle: Stern, 19. Januar 2026


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: journalistischer Online-Artikel mit stark zuspitzendem Titel.
  • Medium: deutsches Nachrichtenmagazin mit breiter, nicht primär sportaffiner Leserschaft.
  • Form: erklärend-kommentierende Darstellung, kein neutraler Spielbericht.
  • Kommunikation ermöglicht eine deutende Einordnung des Ereignisses, nicht nur Informationsvermittlung.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der eine bestimmte Interpretation und Einordnung des Ereignisses vorgibt.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „Farce“, „peinlich“, „beschämend für Afrika“ (Vorspann).
  • Der Sieg Senegals wird erwähnt, aber nicht inhaltlich vertieft.
  • Thematisiert werden vor allem Vorkommnisse vor dem eigentlichen Ergebnis.
  • Der Afrika-Cup wird als Gesamtveranstaltung mit dem Geschehen verknüpft.

Inhaltlich liegt der Fokus auf dem problematischen Verlauf des Ereignisses, nicht auf dem sportlichen Ergebnis.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: wertend und distanzierend.
  • Leser:innen werden in eine Position gesetzt, von außen auf das Ereignis zu blicken.
  • Marokko, Senegal und „Afrika“ erscheinen als kollektiv adressierte Akteure.
  • Implizit wird ein Vergleichsmaßstab nahegelegt, ohne ihn explizit zu benennen.

Die Beziehungsebene erzeugt eine spürbare Distanz zwischen dem berichtenden Medium und den beteiligten Akteursfeldern.

Kurzbeobachtung zum Framing

Das Finale des Afrika-Cups 2025 wird vor allem über das beschrieben, was rund um das Spiel passiert ist, weniger über den sportlichen Ausgang selbst. Die Aufmerksamkeit liegt auf den Vorgängen vor dem Sieg Senegals, die als problematisch für den Fußball insgesamt dargestellt werden. Der eigentliche Erfolg Senegals tritt dabei eher in den Hintergrund.

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Perspektive 2  - Quelle: Olympics.com, 19 January 2026


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: Live-Berichterstattung („as it happened“) im sportjournalistischen Kontext.
  • Medium: internationale Sportplattform (Olympics.com) mit globalem Publikum.
  • Form: sachlich-chronologische Darstellung des Spielverlaufs.
  • Kommunikation dient primär der Informationsvermittlung über ein sportliches Ereignis.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der das Finale als laufendes bzw. sportliches Geschehen zugänglich macht.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „beat“, „dramatic“, „extra-time“, „second continental title“.
  • Fokus auf dem entscheidenden Tor und dem Titelgewinn Senegals.
  • Der sportliche Erfolg und der Spielverlauf stehen im Zentrum.
  • Aspekte außerhalb des Spiels werden nicht thematisiert.

Inhaltlich wird das Finale als sportlicher Wettbewerb und historischer Erfolg gerahmt.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: sachlich, sportlich-emotional.
  • Leser:innen werden als Zuschauer:innen des sportlichen Ereignisses adressiert.
  • Senegal wird als erfolgreiche Mannschaft dargestellt, Marokko als Gastgeber und Gegner.
  • Keine übergeordnete Bewertung oder Distanzierung gegenüber den Akteuren.

Die Beziehungsebene erzeugt Nähe zum sportlichen Geschehen und zu den beteiligten Teams.

Zentrale Beobachtung

Das Afrika-Cup-Finale 2025 wird hier vor allem als sportliches Ereignis erzählt. Die Bedeutung des Spiels ergibt sich aus dem Spielverlauf, dem entscheidenden Moment und dem Titelgewinn Senegals, während andere mögliche Deutungsrahmen ausgeblendet bleiben.

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Beispiel 2: Agilität in Organisationen

Perspektive 1 – Quelle: BNP Paribas CIB, 08 February 2018


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: journalistisch aufbereiteter Online-Artikel im Bereich „Tech & Innovation“.
  • Medium: Unternehmensnahe Informationsplattform (BNP Paribas CIB).
  • Form: erklärend-darstellende Berichterstattung mit Zukunftsbezug.
  • Kommunikation ermöglicht Orientierung und Einordnung gesellschaftlicher und organisationaler Entwicklungen.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der Agilität als relevantes Zukunftsthema der Arbeitswelt positioniert.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „agility“, „future of work“, „re-sculpting“, „work cultures“.
  • Agilität wird mit Veränderungen von Arbeitsräumen, Einstellungen und Organisationskulturen verknüpft.
  • Der Fokus liegt auf langfristigen Entwicklungen über Generationen hinweg.
  • Herausforderungen oder Risiken werden im Titel und Subtitel nicht benannt.

Inhaltlich wird Agilität als gestaltende Kraft für moderne Arbeitswelten dargestellt.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: sachlich-optimistisch, zukunftsorientiert.
  • Leser:innen werden als Teil einer sich wandelnden Arbeitswelt angesprochen.
  • Organisationen erscheinen als lern- und entwicklungsfähige Akteure.
  • Nähe wird durch die Bezugnahme auf verschiedene Generationen hergestellt.

Die Beziehungsebene erzeugt Anschlussfähigkeit und lädt zur Identifikation mit dem Thema ein.

Zentrale Beobachtung

Agilität wird hier als zukunftsweisendes Konzept gerahmt, das Arbeitsweisen und Organisationskulturen nachhaltig verändert. Die Bedeutung des Themas entsteht vor allem durch den Bezug auf gesellschaftlichen Wandel und langfristige Entwicklung, während mögliche Spannungen oder Grenzen ausgeblendet bleiben.

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Perspektive 2 – Quelle: Planet Agile, 22. April 2025


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: meinungsbasierter Fachartikel mit programmatischem Anspruch.
  • Medium: spezialisierte Plattform für agile Praxis und Organisationsentwicklung (Planet Agile).
  • Form: zugespitzter Titel mit erklärendem Untertitel.
  • Kommunikation ermöglicht eine Einordnung und Neujustierung eines etablierten Konzepts.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der zur Reflexion über den aktuellen Zustand von Agilität einlädt und Weiterentwicklung nahelegt.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „Agil ist tot“, „Agilität“, „scheitern“, „anschlussfähig bleiben“.
  • Agilität wird nicht als Methode, sondern als Idee bzw. Haltung thematisiert.
  • Der Fokus liegt auf der Differenz zwischen ursprünglicher Agilität und ihrer heutigen Anwendung.
  • Problematisiert wird weniger Agilität an sich als ihre ritualisierte, entleerte Umsetzung.

Inhaltlich wird Agilität als Konzept in einer Übergangsphase dargestellt, das einer Weiterentwicklung bedarf.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: kritisch, zugleich konstruktiv und einladend.
  • Leser:innen werden als reflektierende Praktiker:innen adressiert.
  • Nähe entsteht durch geteilte Erfahrungen mit „gescheiterter“ Agilität.
  • Keine klare Gegenüberstellung von richtig/falsch, sondern Einladung zum gemeinsamen Weiterdenken.

Die Beziehungsebene erzeugt Anschlussfähigkeit und öffnet einen Raum für gemeinsame Neuorientierung.

Zentrale Beobachtung

Agilität wird hier weder als Erfolgsmodell noch als gescheitertes Konzept gerahmt, sondern als Ansatz, der sich von bisherigen Umsetzungsformen lösen muss, um relevant zu bleiben. Die Bedeutung entsteht aus der Aufforderung zur Weiterentwicklung statt zur Abkehr.