Journalistisches Framing - Teilzeit und Fachkräftemangel

von Anja Eckardt -

Beispiel 1:  Die aktuelle Teilzeit Debatte

 Perspektive 1: Teilzeit als Lifestyle

 https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/teilzeit-cdu-vorschlag-plan-100.html 06.02.2026

 

 https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/cdu-wirtschaftsfluegel-ende-teilzeit-100.html 06.02.2026

 

 Diese Artikel beleuchten den Vorstoß der CDU das Recht auf Teilzeit stark einzugrenzen, Teilzeit solle es nur noch bei besonderen Bedingungen geben. In derartigen Artikeln wird der Teilzeitarbeit ein negativer Frame gegeben, sie wäre ein Luxus- bzw. Lifestyle Problem, welches die deutsche Wirtschaftsleistung mindert.

 Perspektive 2: Teilzeit als Notwendigkeit

 https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/scharrenbach-interview-teilzeit-100.html 06.02.2026

 

 

https://www.deutschlandfunk.de/pflegeverband-teilzeit-auch-schutzreaktion-auf-ueberlastung-und-schichtdienst-100.html 06.02.2026

 

 Der genutzte Frame hier zeigt Teilzeit als Produkt struktureller Gegebenheiten und somit als Notwendigkeit an. Das Recht auf Teilzeit soll beibehalten werden, beispielsweise damit Mütter ihre Kinder betreuen können und Pflegekräfte ihre eigene Gesundheit schützen können.

 Perspektive 3: Teilzeit aus Unternehmenssicht  

  https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/flexible-arbeitsmodelle-gewinnen-im-fachkraeftemangel-an-bedeutung/68538347 06.02.2026

 

 

https://www.springerprofessional.de/en/arbeitswissenschaft/arbeitsrecht/teilzeit-mitarbeitende-produktiver-als-andere-in-vollzeit/51998184 06.02.2026

 

 

Ganz anders geframt wird die Teilzeitarbeit aus Unternehmenssicht. Hier sprechen mitunter verschiedene Gründe für die Teilzeitarbeit. Beispielsweise sind flexible Arbeitsmodelle, darunter die Teilzeit, ein Wettbewerbsfaktor bei der Suche nach Fachkräften. Somit wird Teilzeit als Wettbewerbsfaktor geframt. Zudem gibt es auch Mitarbeitende, die in Teilzeit produktiver arbeiten – somit wird auch hier ein positiver Frame genutzt. 

 

Beispiel 2:  Fachkräftemangel

 Perspektive 1:  Fachkräftemangel als Risiko für Unternehmen und Wirtschaft

https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/fachkraeftemangel-bedroht-deutschlands-infrastrukturprojekte/68556791 06.02.2026

 

 

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/ihk-fachkraeftemangel-grosses-risiko-fuer-unternehmen,wirtschaft-180.html 06.02.2026

 

  

Der Fachkräftemangel wird journalistisch oft als Risiko für Unternehmen und die deutsche Wirtschaft beschrieben bzw. sogar ein „bedrohlicher“ Frame aufgebaut. Es würden viele Fachkräfte fehlen, was massive wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen würde. Maßnahmen zur Fachkräftesicherung werden verlangt.

 

Perspektive 2: Fachkräftemangel als Zukunftstreiber

 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/ki-hilfe-arbeit-fachkraeftemangel-100.html 06.02.2026

 

 https://fachkraft-betriebe.de/blog/ist-fachkraeftemangel-auch-eine-chance-fuer-transformation/ 06.02.2026

 

 Der Fachkräftemangel wird mitunter auch als Chance dargestellt, sich zu transformieren, Innovationen voranzutreiben und Unternehmen „fit für die Zukunft“ zu machen. So nutzt beispielsweise ein Heizungsbetrieb KI um am Telefon erste Kundenwünsche entgegenzunehmen oder Kalkulationen zu erstellen, sogar rund um die Uhr. Somit bleibt mehr Zeit für das „echte Handwerk“ und mehr Kunden können bedient werden.

Der Fachkräftemangel kann also auch als positiver Impuls gesehen werden, Themen entsprechend weiterzuentwickeln und zukunfts- und marktfähig zu bleiben.

 

 


Journalistisches Framing: DEUTSCHLAND: E-Auto leasen und Geld kassieren? So absurd wirkt die neue Prämie!

von Stefan Letsch -


Basierend auf diesem YouTube-Beitrag (Fernsehsender „WELT“) zum Thema E-Auto-Prämie und den theoretischen Grundlagen der Vorlesungsmaterialien, lassen sich folgende gegensätzliche Beispiele für journalistisches „Framing“ identifizieren.

„Framing bezeichnet hierbei das Aufspannen eines Wissensrahmens, der typische Rollen und Abläufe aktiviert und die Interpretation von Informationen steuert.“

Beispiel 1: „Steuerverschwendung & Absurdität“ vs. „Soziale Erschwinglichkeit“

In diesem Beispiel stehen sich die kritische Sicht auf die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit und die politische Absicht gegenüber.

Perspektive A: Der „Absurditäts-Frame“ (Journalistische Kritik)

Stelle im Video: „Der Experte für Automobilwirtschaft“ spricht von „verrückten Schnäppchen auf Kosten der Steuerzahler“ und bezeichnet die Situation, in der man für das Fahren eines Autos Geld zurückbekommt, als „Treppenwitz der Geschichte“.

Es wird kritisiert, dass mit deutschen Steuergeldern in China produzierte Fahrzeuge subventioniert werden.

Erläuterung: Hier wird das Thema in den Rahmen der „ökonomischen Ineffizienz“ gestellt. Die funktionale Konstituente der Kommunikation ist hier der „Appell“ an den Zuschauer, die staatliche Förderung als fehlgeleitet wahrzunehmen.

Auf der Beziehungsebene positioniert sich der Reporter als kritischer Aufklärer gegenüber der „absurden“ Politik.

Perspektive B: Der „Förder-Frame“ (Politische Intention)

Stelle im Video: Der SPD-Politiker Esra Limbacher betont, dass der „Sinn der Sache“ sei, dass E-Autos für die Menschen „erschwinglich“ werden.

Erläuterung: Dieser Frame fokussiert auf die „Inhaltsebene“ (Information über das Ziel der sozialen Teilhabe an Mobilität). Die Perspektive ist hier die der „Ermöglichung“. Der Fokus liegt auf der beziehungsorientierten Konstituente: Der Staat als Partner, der Mobilität garantiert.

Beispiel 2: „Technischer Verzicht/Golfkart-Image“ vs. „Preis-Leistungs-Nutzen“

Dieses Beispiel kontrastiert die Bewertung des Produkts (Dacia Spring) zwischen Status/Leistung und funktionalem Alltagsnutzen.

Perspektive A: Der „Abwertungs-Frame“ (Qualitätsmangel)

Stelle im Video:** Das Auto wird als „Golfkart“ verspottet, das keine „Freiheitsgefühle“ auslöst. Die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und die geringe Reichweite werden als Defizite gerahmt.

Erläuterung: Dieser Frame nutzt „Zeichen als Symbole“ für einen mangelnden Status. Auf der Beziehungsebene wird dem Zuschauer suggeriert, dass das Fahrzeug kein „echtes“ Auto für gehobene Ansprüche sei. Dies entspricht einer Kommunikation, die den Beziehungsaspekt („Wie ist das Auto aufzufassen?“) stark abwertend besetzt.

Perspektive B: Der „Pragmatismus-Frame“ (Nützlichkeit)

Stelle im Video: Ein Verkäufer berichtet, dass Kunden zufrieden seien, da das Auto für den Preis alles biete, was vergleichbare Fahrzeuge im Segment auch haben, und man von A nach B komme.

Erläuterung: Hier wird ein Frame des „funktionalen Nutzens“ aufgespannt. Die Kommunikation konzentriert sich auf die „Sachinhalte“ (Ausstattung, Funktion). Es wird eine „Normalität“ und Plausibilität konstruiert, in der das Auto als vernünftige Wahl für „Schnäppchenjäger“ erscheint.

Zusammenfassende Einordnung:

Diese Framing-Beispiele zeigen deutlich drei Ebenen des Kommunikationsprozesses:

1.  Mediale Ebene: Die Übertragung via "WELT"-Nachrichtensender als glokaler Prozess (globale Verbreitung, lokaler Bezug zur deutschen Prämie).

2. Inhaltsebene: Die Fakten zur 6.000 € Förderung und zum Fahrzeug.

3.  Beziehungsebene: Die wechselseitige Aushandlung zwischen dem „Experte für Automobilwirtschaft“ (kritisch/ironisch), dem Politiker (rechtfertigend) und dem Kunden/Händler (pragmatisch).

 

Wie in der „Jenaer Erklärung“ der Begriff „Rasse“ als ein Ergebnis von Rassismus (und nicht dessen Voraussetzung) entlarvt wird, zeigt der YouTube-Beitrag, wie journalistisches Framing durch die Wahl bestimmter Begriffe (z.B. „absurd“, „verschenken“) eine Realität erst konstruiert, anstatt sie nur neutral abzubilden.


Journalistisches Framing: Unterschiedliche Perspektiven auf das Afrika-Cup-Finale 2025 und Agilität in Organisationen

von Marie-Joseph Gomis -

Beispiel 1: Afrika-Cup-Finale 2025

Perspektive 1 : Quelle: Stern, 19. Januar 2026


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: journalistischer Online-Artikel mit stark zuspitzendem Titel.
  • Medium: deutsches Nachrichtenmagazin mit breiter, nicht primär sportaffiner Leserschaft.
  • Form: erklärend-kommentierende Darstellung, kein neutraler Spielbericht.
  • Kommunikation ermöglicht eine deutende Einordnung des Ereignisses, nicht nur Informationsvermittlung.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der eine bestimmte Interpretation und Einordnung des Ereignisses vorgibt.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „Farce“, „peinlich“, „beschämend für Afrika“ (Vorspann).
  • Der Sieg Senegals wird erwähnt, aber nicht inhaltlich vertieft.
  • Thematisiert werden vor allem Vorkommnisse vor dem eigentlichen Ergebnis.
  • Der Afrika-Cup wird als Gesamtveranstaltung mit dem Geschehen verknüpft.

Inhaltlich liegt der Fokus auf dem problematischen Verlauf des Ereignisses, nicht auf dem sportlichen Ergebnis.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: wertend und distanzierend.
  • Leser:innen werden in eine Position gesetzt, von außen auf das Ereignis zu blicken.
  • Marokko, Senegal und „Afrika“ erscheinen als kollektiv adressierte Akteure.
  • Implizit wird ein Vergleichsmaßstab nahegelegt, ohne ihn explizit zu benennen.

Die Beziehungsebene erzeugt eine spürbare Distanz zwischen dem berichtenden Medium und den beteiligten Akteursfeldern.

Kurzbeobachtung zum Framing

Das Finale des Afrika-Cups 2025 wird vor allem über das beschrieben, was rund um das Spiel passiert ist, weniger über den sportlichen Ausgang selbst. Die Aufmerksamkeit liegt auf den Vorgängen vor dem Sieg Senegals, die als problematisch für den Fußball insgesamt dargestellt werden. Der eigentliche Erfolg Senegals tritt dabei eher in den Hintergrund.

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Perspektive 2  - Quelle: Olympics.com, 19 January 2026


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: Live-Berichterstattung („as it happened“) im sportjournalistischen Kontext.
  • Medium: internationale Sportplattform (Olympics.com) mit globalem Publikum.
  • Form: sachlich-chronologische Darstellung des Spielverlaufs.
  • Kommunikation dient primär der Informationsvermittlung über ein sportliches Ereignis.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der das Finale als laufendes bzw. sportliches Geschehen zugänglich macht.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „beat“, „dramatic“, „extra-time“, „second continental title“.
  • Fokus auf dem entscheidenden Tor und dem Titelgewinn Senegals.
  • Der sportliche Erfolg und der Spielverlauf stehen im Zentrum.
  • Aspekte außerhalb des Spiels werden nicht thematisiert.

Inhaltlich wird das Finale als sportlicher Wettbewerb und historischer Erfolg gerahmt.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: sachlich, sportlich-emotional.
  • Leser:innen werden als Zuschauer:innen des sportlichen Ereignisses adressiert.
  • Senegal wird als erfolgreiche Mannschaft dargestellt, Marokko als Gastgeber und Gegner.
  • Keine übergeordnete Bewertung oder Distanzierung gegenüber den Akteuren.

Die Beziehungsebene erzeugt Nähe zum sportlichen Geschehen und zu den beteiligten Teams.

Zentrale Beobachtung

Das Afrika-Cup-Finale 2025 wird hier vor allem als sportliches Ereignis erzählt. Die Bedeutung des Spiels ergibt sich aus dem Spielverlauf, dem entscheidenden Moment und dem Titelgewinn Senegals, während andere mögliche Deutungsrahmen ausgeblendet bleiben.

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Beispiel 2: Agilität in Organisationen

Perspektive 1 – Quelle: BNP Paribas CIB, 08 February 2018


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: journalistisch aufbereiteter Online-Artikel im Bereich „Tech & Innovation“.
  • Medium: Unternehmensnahe Informationsplattform (BNP Paribas CIB).
  • Form: erklärend-darstellende Berichterstattung mit Zukunftsbezug.
  • Kommunikation ermöglicht Orientierung und Einordnung gesellschaftlicher und organisationaler Entwicklungen.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der Agilität als relevantes Zukunftsthema der Arbeitswelt positioniert.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „agility“, „future of work“, „re-sculpting“, „work cultures“.
  • Agilität wird mit Veränderungen von Arbeitsräumen, Einstellungen und Organisationskulturen verknüpft.
  • Der Fokus liegt auf langfristigen Entwicklungen über Generationen hinweg.
  • Herausforderungen oder Risiken werden im Titel und Subtitel nicht benannt.

Inhaltlich wird Agilität als gestaltende Kraft für moderne Arbeitswelten dargestellt.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: sachlich-optimistisch, zukunftsorientiert.
  • Leser:innen werden als Teil einer sich wandelnden Arbeitswelt angesprochen.
  • Organisationen erscheinen als lern- und entwicklungsfähige Akteure.
  • Nähe wird durch die Bezugnahme auf verschiedene Generationen hergestellt.

Die Beziehungsebene erzeugt Anschlussfähigkeit und lädt zur Identifikation mit dem Thema ein.

Zentrale Beobachtung

Agilität wird hier als zukunftsweisendes Konzept gerahmt, das Arbeitsweisen und Organisationskulturen nachhaltig verändert. Die Bedeutung des Themas entsteht vor allem durch den Bezug auf gesellschaftlichen Wandel und langfristige Entwicklung, während mögliche Spannungen oder Grenzen ausgeblendet bleiben.

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Perspektive 2 – Quelle: Planet Agile, 22. April 2025


Analyse entlang der drei Konstituenten

Funktionale (mediale) Konstituenten – das „Dass“

  • Kommunikationsform: meinungsbasierter Fachartikel mit programmatischem Anspruch.
  • Medium: spezialisierte Plattform für agile Praxis und Organisationsentwicklung (Planet Agile).
  • Form: zugespitzter Titel mit erklärendem Untertitel.
  • Kommunikation ermöglicht eine Einordnung und Neujustierung eines etablierten Konzepts.

Funktional wird hier ein Rahmen geschaffen, der zur Reflexion über den aktuellen Zustand von Agilität einlädt und Weiterentwicklung nahelegt.

Inhaltliche Konstituenten – das „Was“

  • Zentrale Begriffe: „Agil ist tot“, „Agilität“, „scheitern“, „anschlussfähig bleiben“.
  • Agilität wird nicht als Methode, sondern als Idee bzw. Haltung thematisiert.
  • Der Fokus liegt auf der Differenz zwischen ursprünglicher Agilität und ihrer heutigen Anwendung.
  • Problematisiert wird weniger Agilität an sich als ihre ritualisierte, entleerte Umsetzung.

Inhaltlich wird Agilität als Konzept in einer Übergangsphase dargestellt, das einer Weiterentwicklung bedarf.

Beziehungsorientierte Konstituenten – das „Wie“

  • Tonfall: kritisch, zugleich konstruktiv und einladend.
  • Leser:innen werden als reflektierende Praktiker:innen adressiert.
  • Nähe entsteht durch geteilte Erfahrungen mit „gescheiterter“ Agilität.
  • Keine klare Gegenüberstellung von richtig/falsch, sondern Einladung zum gemeinsamen Weiterdenken.

Die Beziehungsebene erzeugt Anschlussfähigkeit und öffnet einen Raum für gemeinsame Neuorientierung.

Zentrale Beobachtung

Agilität wird hier weder als Erfolgsmodell noch als gescheitertes Konzept gerahmt, sondern als Ansatz, der sich von bisherigen Umsetzungsformen lösen muss, um relevant zu bleiben. Die Bedeutung entsteht aus der Aufforderung zur Weiterentwicklung statt zur Abkehr.


Journalistisches Framing: Darstellung von Nahrngsergänzung und ADHS

von Susanne Abdennouri -

 „Vegane Ernährung – welche Nahrungsergänzung ist sinnvoll?“
Quelle: Verbraucherzentrale NRW, 2025 

Kernaussage:

Bei veganer Ernährung sind Nahrungsergänzungsmittel nicht generell nötig, aber in klar definierten Fällen – insbesondere Vitamin B12 – wissenschaftlich belegt sinnvoll und notwendig, um eine ausreichende Mikronährstoffversorgung sicherzustellen.

Erläuterung der Konstituenten

Funktional:
Der Text dient der Orientierung und Aufklärung, indem er aufzeigt, in welchen spezifischen Lebenssituationen Nahrungsergänzungsmittel, insbesondere Vitamin B12, notwendig und sinnvoll sind.

Inhaltlich:
Er liefert evidenzbasierte Informationen zur Mikronährstoffversorgung bei veganer Ernährung, verweist auf Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und benennt klar belegte Mangelsituationen.

Beziehungsaspekt:
Der sachlich-beratende Ton spricht Leser:innen als verantwortungsbewusste Konsument:innen an und vermittelt Vertrauen durch Transparenz und institutionelle Expertise.


 "Pillen und Pulver auf dem Vormarsch"

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), 2024

Kernaussage:

Laut Verbraucherschützern steigt die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln deutlich. Viele Produkte werden ohne behördliche Vorabkontrolle verkauft, enthalten häufig unseriöse oder gesundheitlich riskante Inhaltsstoffe und können gesundheitsschädlich sein. Der vzbv fordert dringende Regulierung und Schutzmaßnahmen zum Schutz der Verbraucher:innen.

Erläuterung der Konstituenten

Funktional:
Der Text erfüllt eine Warn- und Schutzfunktion, indem er auf Risiken, fehlende Vorabkontrollen und gesundheitliche Gefahren von Nahrungsergänzungsmitteln aufmerksam macht.

Inhaltlich:
Er benennt konkrete Problembereiche wie Überdosierungen, unzulässige Inhaltsstoffe und mangelnde Regulierung des Marktes sowie steigende Fallzahlen auffälliger Produkte.

Beziehungsaspekt:
Der kritisch-alarmierende Ton positioniert die Leser:innen als potenziell gefährdete Verbraucher:innen und appelliert an Vorsicht sowie an politische und regulatorische Verantwortung.


"Deutlich mehr ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen"

Quelle:  Welt-Artikel
Kernaussage: Der Artikel berichtet über einen starken Anstieg der ADHS-Erstdiagnosen bei Erwachsenen in Deutschland zwischen 2015 und 2024 und interpretiert dies überwiegend als positiven Effekt, da mehr Betroffene Zugang zu Diagnostik und Versorgung erhalten. Er nennt Sensibilisierung, neue Diagnosekriterien und gesellschaftliche Aufmerksamkeit als Gründe für den Anstieg und betont, dass dieser zur besseren Versorgung beitragen könne.

Erläuterung der Konstituenten

Funktional:
Der Text informiert über epidemiologische Entwicklungen und liefert ein nutzorientiertes Verständnis von ADHS, indem er den Anstieg der Diagnosen als weitgehend positive Entwicklung bewertet, da er zu besserer Versorgung führen kann.

Inhaltlich:
Er präsentiert Fakten und Zahlen zur Zunahme von Erstdiagnosen bei Erwachsenen, nennt Gründe wie gesteigerte Aufmerksamkeit und neue diagnostische Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung für die Versorgungslage.

Beziehungsaspekt:
Der Ton ist informierend und erklärend; er vermittelt Vertrauen in medizinische Diagnoseprozesse und reduziert Stigmatisierung, indem er eine umfassendere gesellschaftliche Sensibilisierung betont.


"Jamie Oliver kritisiert fehlende Anerkennung von Dyslexie als special educational need"

Quelle:  The Guardian
Kernaussage: Der Artikel stellt kritisch dar, wie Dyslexie in Teilen des Bildungssystems nicht angemessen anerkannt oder unterstützt wird. Der bekannte Koch Jamie Oliver argumentiert, dass mangelnde Anerkennung und Ressourcen für dyslexische Kinder dazu führen, dass diese unfair behandelt werden.

Erläuterung der Konstituenten

Funktional:
Der Bericht übernimmt eine Warn- und Kritikfunktion, indem er auf strukturelle Defizite im Bildungssystem hinweist und fordert, dass Dyslexie als Sonderpädagogischer Bedarf ernst genommen wird.

Inhaltlich:
Er beschreibt die emotionale und bildungspolitische Dimension von Dyslexie-Anerkennung, die Rolle von gesetzlichen Vorgaben (Equality Act) sowie persönliche Erfahrungen des Betroffenen („ich fühlte mich dumm“), um das Defizit in der Anerkennung greifbar zu machen.

Beziehungsaspekt:
Der Ton ist kritisch und appellativ. Er richtet sich sowohl an politische Entscheidungsträger als auch an die Öffentlichkeit und betont, dass mangelnde Unterstützung für dyslexische Kinder negative Konsequenzen hat, was Empathie und Handlungsdruck erzeugen soll.

 


Journalistisches Framing anhand der Berichterstattung von Machado und Grönland

von Valentina Ly -

Beispiel 1:

1. Perspektive


Quelle: https://taz.de/Politische-Geste/!6146186/ (letzter Stand: 16.01.2026)

Äußerung: „Machado überreicht Trump ihre Friedensnobelpreis-Medaille“

Sachinhalt: Machado ist Venezuelas Oppositionsführerin.

Sie traf erstmals den US-Präsidenten Donald Trump.

Sie überreichte ihm ihre Friedensnobelpreis-Medaille.

Das Treffen fand am Donnerstag statt.

Selbstkundgabe: Machado verfolgt mit ihrer Handlung ein politisches Kalkül.

Beziehungshinweis: Machado ordnet sich mit ihrem „Geschenk“ und ihren Schmeicheleien dem US-Präsidenten Trump unter.

Appell: Machado soll als taktisch kluge Oppositionspolitikerin wahrgenommen werden.

2. Perspektive


Quelle: https://www.sueddeutsche.de/meinung/trump-machado-treffen-kommentar-li.3369085?reduced=true (letzter Stand: 18.01.2026)

Äußerung: „Auf Nimmerwiedersehen, María Corina Machado“

Sachinhalt: Die Oppositionsführerin wird mit ihrem vollständigen Namen „María Corina Machado“ direkt angesprochen.

„Auf Nimmerwiedersehen“ bringt einen endgültigen Abschied von Machado Ausdruck.

Selbstkundgabe: Es wird mit der Formulierung „auf Nimmerwiedersehen“ vom Journalisten indirekt die Überreichung der Nobelpreis-Medaille von der venezolanischen Oppositionsführerin Machado an Trump kritisiert.

Beziehungshinweis: Der Journalist distanziert sich von Machado, indem er sie beim vollen Namen nennt.

Es bringt indirekt zum Ausdruck, dass sie sich mit der Handlung politisch keinen Gefallen getan hat, weswegen sie symbolisch verabschiedet wird.

Appell: Für die Lesenden wird Machado als politisch abgeschrieben erklärt.

2. Beispiel:

1. Perspektive



Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/donald-trump-wir-wichtig-ist-groenland-fuer-den-golden-dome-a-7fcdb53d-a865-4f59-be35-de7a6757013f (letzter Stand: 18.01.2026)

Äußerung: „Wie bedeutend Grönland für Trumps Golden Dome ist“

Sachinhalt: Es gibt eine US-amerikanische Raketenabwehr namens „Golden Dome“.

Grönland spielt dabei eine strategische Rolle.

Trump bezeichnet Grönland als „lebenswichtig“.

Experten ordnen diese Aussage ein.

Die angeführte militärische Bedeutung stellt keinen legitimen Grund für die Annexion Grönlands dar.

Selbstkundgabe:

Mit der Gegenüberstellung von Trumps Aussage und der Expertenansicht äußert der Journalist seine Skepsis gegenüber Trumps Argumentation.

Der Journalist bringt mit „schlechtes Argument für eine Annexion“ deutlich seine ablehnende Position zum Ausdruck.

Beziehungshinweis: Der Journalist distanziert sich mit „Trump behauptet…“ von der Aussage des US-Präsidenten.

Experten werden als autoritative Gegeninstanz zu Trump etabliert, um seine Behauptung zu relativieren.

Appell: Leser sollen indirekt dazu bewegt werden, Trumps Annexionspläne skeptisch zu betrachten.

2. Perspektive


Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/plus6968aac804401bff3baa3837/usa-und-groenland-aussagen-von-der-realitaet-abgekoppelt-trump-kann-raketenabwehr-ohne-groenland-aufbauen.html (letzter Stand: 18.01.2026)

Äußerung: „Aussagen von der Realität abgekoppelt“ – Trump kann Raketenabwehr ohne Grönland aufbauen

Sachinhalt: Trumps Aussagen hinsichtlich der Raketenabwehr stimmen nicht mit der Realität überein.

Eine Raketenabwehr ist auch ohne Grönland möglich.

Selbstkundgabe: Die Journalistin äußert eine ablehnende Haltung gegenüber Trumps Aussagen.

Durch die Formulierung „von der Realität abgekoppelt“ wird deutlich, dass die Journalistin sich selbst als realistisch und rational betrachtet.

Beziehungshinweis: Die Haltung der Journalistin gegenüber Trump ist kritisch, wertend und herabsetzend.

Appell: Die Lesenden sollen Trumps Aussagen hinterfragen.