Journalistisches Framing: DEUTSCHLAND: E-Auto leasen und Geld kassieren? So absurd wirkt die neue Prämie!

Journalistisches Framing: DEUTSCHLAND: E-Auto leasen und Geld kassieren? So absurd wirkt die neue Prämie!

von Stefan Letsch -
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Basierend auf diesem YouTube-Beitrag (Fernsehsender „WELT“) zum Thema E-Auto-Prämie und den theoretischen Grundlagen der Vorlesungsmaterialien, lassen sich folgende gegensätzliche Beispiele für journalistisches „Framing“ identifizieren.

„Framing bezeichnet hierbei das Aufspannen eines Wissensrahmens, der typische Rollen und Abläufe aktiviert und die Interpretation von Informationen steuert.“

Beispiel 1: „Steuerverschwendung & Absurdität“ vs. „Soziale Erschwinglichkeit“

In diesem Beispiel stehen sich die kritische Sicht auf die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit und die politische Absicht gegenüber.

Perspektive A: Der „Absurditäts-Frame“ (Journalistische Kritik)

Stelle im Video: „Der Experte für Automobilwirtschaft“ spricht von „verrückten Schnäppchen auf Kosten der Steuerzahler“ und bezeichnet die Situation, in der man für das Fahren eines Autos Geld zurückbekommt, als „Treppenwitz der Geschichte“.

Es wird kritisiert, dass mit deutschen Steuergeldern in China produzierte Fahrzeuge subventioniert werden.

Erläuterung: Hier wird das Thema in den Rahmen der „ökonomischen Ineffizienz“ gestellt. Die funktionale Konstituente der Kommunikation ist hier der „Appell“ an den Zuschauer, die staatliche Förderung als fehlgeleitet wahrzunehmen.

Auf der Beziehungsebene positioniert sich der Reporter als kritischer Aufklärer gegenüber der „absurden“ Politik.

Perspektive B: Der „Förder-Frame“ (Politische Intention)

Stelle im Video: Der SPD-Politiker Esra Limbacher betont, dass der „Sinn der Sache“ sei, dass E-Autos für die Menschen „erschwinglich“ werden.

Erläuterung: Dieser Frame fokussiert auf die „Inhaltsebene“ (Information über das Ziel der sozialen Teilhabe an Mobilität). Die Perspektive ist hier die der „Ermöglichung“. Der Fokus liegt auf der beziehungsorientierten Konstituente: Der Staat als Partner, der Mobilität garantiert.

Beispiel 2: „Technischer Verzicht/Golfkart-Image“ vs. „Preis-Leistungs-Nutzen“

Dieses Beispiel kontrastiert die Bewertung des Produkts (Dacia Spring) zwischen Status/Leistung und funktionalem Alltagsnutzen.

Perspektive A: Der „Abwertungs-Frame“ (Qualitätsmangel)

Stelle im Video:** Das Auto wird als „Golfkart“ verspottet, das keine „Freiheitsgefühle“ auslöst. Die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und die geringe Reichweite werden als Defizite gerahmt.

Erläuterung: Dieser Frame nutzt „Zeichen als Symbole“ für einen mangelnden Status. Auf der Beziehungsebene wird dem Zuschauer suggeriert, dass das Fahrzeug kein „echtes“ Auto für gehobene Ansprüche sei. Dies entspricht einer Kommunikation, die den Beziehungsaspekt („Wie ist das Auto aufzufassen?“) stark abwertend besetzt.

Perspektive B: Der „Pragmatismus-Frame“ (Nützlichkeit)

Stelle im Video: Ein Verkäufer berichtet, dass Kunden zufrieden seien, da das Auto für den Preis alles biete, was vergleichbare Fahrzeuge im Segment auch haben, und man von A nach B komme.

Erläuterung: Hier wird ein Frame des „funktionalen Nutzens“ aufgespannt. Die Kommunikation konzentriert sich auf die „Sachinhalte“ (Ausstattung, Funktion). Es wird eine „Normalität“ und Plausibilität konstruiert, in der das Auto als vernünftige Wahl für „Schnäppchenjäger“ erscheint.

Zusammenfassende Einordnung:

Diese Framing-Beispiele zeigen deutlich drei Ebenen des Kommunikationsprozesses:

1.  Mediale Ebene: Die Übertragung via "WELT"-Nachrichtensender als glokaler Prozess (globale Verbreitung, lokaler Bezug zur deutschen Prämie).

2. Inhaltsebene: Die Fakten zur 6.000 € Förderung und zum Fahrzeug.

3.  Beziehungsebene: Die wechselseitige Aushandlung zwischen dem „Experte für Automobilwirtschaft“ (kritisch/ironisch), dem Politiker (rechtfertigend) und dem Kunden/Händler (pragmatisch).

 

Wie in der „Jenaer Erklärung“ der Begriff „Rasse“ als ein Ergebnis von Rassismus (und nicht dessen Voraussetzung) entlarvt wird, zeigt der YouTube-Beitrag, wie journalistisches Framing durch die Wahl bestimmter Begriffe (z.B. „absurd“, „verschenken“) eine Realität erst konstruiert, anstatt sie nur neutral abzubilden.


Als Antwort auf Stefan Letsch

Re: Journalistisches Framing: DEUTSCHLAND: E-Auto leasen und Geld kassieren? So absurd wirkt die neue Prämie!

von Stefan Letsch -
Betreff: Ergänzung: Meine Analyse durch die „Tani“-Brille

Liebe Mitstreiterinnen,

als kleine kreative Ergänzung zu meiner obigen Analyse möchte ich euch noch zeigen, wie ich dieses Thema für mich persönlich verarbeitet habe. Wie einige von euch wissen, übersetze ich unsere oft recht abstrakten Kursinhalte für mein Praxisprojekt in eine metaphorische Heldenreise namens „Tani“ (wer neugierig ist, findet das Buchprojekt unter www.stefanletsch.com/tani).

Ich habe festgestellt, dass ich mir Theorien wie das Framing oder das Vier-Seiten-Modell viel besser merken kann, wenn ich sie verbildliche. Daher habe ich meine Analyse des WELT-Beitrags zur E-Auto-Prämie in ein kurzes Fabelkapitel übersetzt, um die verschiedenen „Rahmen“ sichtbar zu machen:

Das Fabelkapitel: Der Streit um den fremden Karren

Tani erreichte einen belebten Marktplatz. In der Mitte stand ein ungewöhnlicher, kleiner Karren. Er wurde in einem fernen Reich gebaut, aber der Dorfrat hatte beschlossen, jedem Käufer ein paar Goldmünzen aus der Dorfkasse dazuzugeben. Tani beobachtete, wie vier Menschen völlig unterschiedlich über denselben Karren sprachen.

Ein reicher Kaufmann lachte laut auf: „Ein Treppenwitz! Wir verschwenden unser gutes Gold für dieses fremde Holzspielzeug!“ Er hielt einen unsichtbaren Rahmen hoch, durch den der Karren wie eine absolute Absurdität wirkte. (Der Absurditäts-Frame)​

Der Bürgermeister hingegen trat vor und sprach ernst: „Dank unseres Goldes kann nun endlich auch die ärmste Familie zum Markt fahren.“ Sein Rahmen ließ den Karren wie ein Symbol der Gerechtigkeit leuchten. (Der Förder-Frame)​

Ein stolzer Ritter betrachtete die Räder spöttisch: „Ein langsames Pony! Kein Freiheitsgefühl, kein Tempo. Ein glorifiziertes Golfkart!“ (Der Abwertungs-Frame)​

Zuletzt trat ein einfacher Bäcker heran, zuckte mit den Schultern und kaufte den Karren: „Er ist billig, er bringt meine Äpfel von A nach B. Mehr brauche ich nicht.“ (Der Pragmatismus-Frame)​

Tani begriff: Der Karren selbst war nur Holz und Eisen. Doch je nachdem, welchen Rahmen die Sprecher um ihn legten – den der Verschwendung, der Fürsorge, des Status oder des Nutzens –, bestimmten sie, was die Menge sah.

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Vielleicht hilft dieses Bild mit den von unsichtbaren Rahmen umgebenen Ereignissen der einen oder anderen von euch ja genauso sehr wie mir, um die enorme Macht des journalistischen und politischen Framings greifbarer zu machen!