Diversity-Verständnis: Amazon

Diversity-Verständnis: Amazon

von Valentina Ly -
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Für die Bearbeitung dieser Anwendungsaufgabe habe ich mir den Online-Händler Amazon ausgesucht. Hinsichtlich des Diversity-Verständnisses dieses Unternehmens habe ich mir sowohl die Unternehmenshomepage als auch Stellenanzeigen, Kununu-Bewertungen und Presseberichte angeschaut.

Auf das Unternehmen Amazon im Kontext von Diversität wurde ich im Jahr 2025 durch Medienberichte über die Einstellung von „Diversity, Equity and Inclusion“-Programmen aufmerksam. Diese Programme wurden aus dem Jahresbericht gestrichen, nachdem die Trump-Administration politischen Druck auf DEI-Programme ausgeübt hatte. (Quelle: https://www.reuters.com/technology/amazon-cuts-reference-diversity-annual-report-2025-02-07/, letzter Zugriff 13.03.2026)

„Amazon erklärte seinen Angestellten bereits im Dezember, dass DEI in Zukunft keine Rolle mehr spielen würde. Im internen Mitarbeitermemo war die Rede von „veralteten Programmen und Materialien“ im Zusammenhang mit Repräsentation und Inklusion. Mit Ende 2024 wolle man sich davon verabschieden.“ (Quelle: https://www.trendingtopics.eu/amazon-und-meta-streichen-diversitaetsprogramme-apple-haelt-dagegen/#:~:text=Amazon%20erkl%C3%A4rte%20seinen%20Angestellten%20bereits%20im%20Dezember%2C,Ende%202024%20wolle%20man%20sich%20davon%20verabschieden, letzter Zugriff 13.03.2026)

Im Gegensatz dazu wirbt der Standort Deutschland sowohl auf der Homepage als auch in den Stellenanzeigen weiterhin mit seinem Diversitätskonzept, welches im Nachfolgenden genauer analysiert wird.

Betrachtet man die Amazon-Webseiten zu „Vielfalt und Inklusion“ (Quelle: https://www.aboutamazon.de/arbeiten-bei-uns/vielfalt-und-inklusion, letzter Zugriff 10.03.2026) sowie zu „Menschen mit Behinderung bei Amazon – gleiche Chancen für alle“ (Quelle: https://www.aboutamazon.de/news/arbeiten-bei-amazon/menschen-mit-behinderung-bei-amazon-gleiche-chancen-fuer-alle, letzter Zugriff 10.03.2026) und „Amazon Deutschland erhält Platin-Zertifizierung als PRIDE Champion 2026“ (Quelle: https://www.aboutamazon.de/news/diversitaet-chancengleicheit-und-inklusion/pride-champion-2026, letzter Zugriff 14.03.2026), entsteht zunächst der Eindruck, dass Amazon im Bereich Diversität besonders vorbildlich aufgestellt ist.

„Je bunter und diverser unsere Teams sind, desto besser können wir die Bedürfnisse unserer Kundschaft abbilden und verstehen. Daher arbeiten bei Amazon Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen – sei es hinsichtlich Nationalität, Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Berufs- oder Lebenserfahrung. Auch Menschen mit Behinderung sind Teil unserer Teams. Wir setzen uns für Vielfalt und Integration ein – nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch in der Gesellschaft.“ Diese Aussage wird im weiteren Verlauf mit den folgenden Fakten gestützt: „Weltweit haben wir 13 Interessensgruppen, die sogenannten Affinity Groups, mit mehr als 130.000 Mitarbeiter:innen aus über 2.000 lokalen Gruppen in 58 Ländern.“ (Quelle: Vielfalt und Inklusion)

Die Inhalte der Webseiten präsentieren nicht nur individuelle berufliche Erfolgsgeschichten aus unterschiedlichen Standorten, sondern zugleich auch die Erfolge Amazons bei der Umsetzung seines Diversitätskonzepts. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich diese Darstellungen nicht pauschal auf alle von Amazon beschäftigten Gruppen übertragen lassen. Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer, die Präsentation des Diversitätskonzepts trotz der Vorstellung real existierender Mitarbeiter*innen vollständig als authentisch zu bewerten. Zudem erscheint es unwahrscheinlich, dass für alle Arbeitssuchenden – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen und/oder Einschränkungen – eine Tätigkeit im Unternehmen gefunden werden kann, die ihren Fähigkeiten entspricht. Bei einem stark auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Unternehmen wie Amazon erscheint es daher zweifelhaft, dass Diversität in der dargestellten Form in der Praxis umfassend umgesetzt wird. Plausibler wirkt die Annahme, dass es sich bei dieser Außendarstellung zumindest teilweise um strategisch gestaltete Kommunikations- und Marketingmaßnahmen handelt, die ein besonders positives Unternehmensbild vermitteln und potenzielle Arbeitskräfte ansprechen sollen.

„Viele Menschen mit Schwerbehinderung kommen aus der Langzeitarbeitslosigkeit und haben kaum Chancen, eine Arbeitsstelle zu finden. Wir schauen uns jeden Menschen einzeln an und finden heraus, welche Aufgaben er oder sie ihren Fähigkeiten entsprechend übernehmen kann und wie wir sie dabei unterstützen können. Wir haben Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen bei uns, aber auch Menschen mit unsichtbaren Leiden wie psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen. Bei allen achten wir darauf, ihre Arbeit so zu gestalten, dass sie ihr auch dauerhaft gewachsen sind.“ (Quelle: Menschen mit Behinderung bei Amazon – gleiche Chancen für alle)

Trotz der Zertifizierung als PRIDE Champion 2026, die auf den ersten Blick Vertrauen in die Diversitätsbestrebungen des Unternehmens, insbesondere im Bereich LGBTQ+, weckt, sollten solche Auszeichnungen kritisch betrachtet werden. Zwischen messbaren Kennzahlen und dem tatsächlichen Zustand einer Organisation beziehungsweise ihres Diversitätskonzeptes kann eine Diskrepanz bestehen, da Zertifizierungen nicht in der Lage sind, die gesamte Realität umfassend zu überprüfen.

„Vielfalt ist bei Amazon mehr als nur ein Wort – sie ist ein grundlegender Wert, der täglich gelebt wird. Mit der heute angekündigten Platin-Zertifizierung als PRIDE Champion 2026 wurde dieses Engagement nun offiziell anerkannt: Amazon Deutschland erreichte beeindruckende 95,20 % der möglichen Punkte in der Bewertung und steigerte sich damit vom Gold-Status im Vorjahr zur höchsten Auszeichnungsstufe.“ (Quelle: Amazon Deutschland erhält Platin-Zertifizierung als PRIDE Champion 2026)

Im nächsten Schritt habe ich mir die Stellenanzeigen von Amazon für unterschiedliche Berufe und Standorte auf der beruflichen Vernetzungsplattform LinkedIn sowie den Online-Jobbörsen Indeed und Stepstone angeschaut.    

Besonders auffällig ist, dass alle Stellenanzeigen auf den zuvor erwähnten Internetseiten in englischer Sprache einen Verweis auf das Diversitätsmotto des Unternehmens enthalten. Es lässt sich festhalten, dass Amazon auch in seinen Stellenanzeigen aktiv für sein Diversitätskonzept wirbt. Allerdings können daraus keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Umsetzung der Diversitätsmaßnahmen im Unternehmen gezogen werden. Im Folgenden werden daher die Arbeitgeberbewertungen auf der Plattform Kununu betrachtet, um zu untersuchen, inwiefern die Aussagen der Mitarbeitenden mit dem beworbenen Diversitätskonzept von Amazon übereinstimmen.


Quelle: https://www.stepstone.de/stellenangebote--Mechatroniker-Elektroniker-Industriemechaniker-m-w-d-Instandhaltung-Berlin-Amazon-Europe-Core--13691085-inline.html?rltr=2_2_25_seorl_m_1_0_0_0_0_0, letzter Zugriff 13.03.2026)

Nach der Durchsicht der überwiegend subjektiven Bewertungen auf der Plattform Kununu (Quelle: https://www.kununu.com/de/amazonde/kommentare, letzter Zugriff: 15.03.2026) in den Bewertungskategorien „Genügend“, „Befriedigend“, „Gut“ und „Sehr gut“ für die Gruppen Angestellte bzw. Arbeiter*innen, Führungskräfte sowie Auszubildende lässt sich hinsichtlich der Diversity-Dimensionen folgendes Fazit ziehen. Hierbei wurden Personen mit längerfristigen Anstellungsverhältnissen berücksichtigt, während Bewertungen von Zeitarbeitskräften, Freelancern und Praktikant*innen aufgrund der großen Anzahl an Einträgen nicht in die Analyse einflossen. Aus den Bewertungen lassen sich Hinweise darauf ableiten, dass verschiedene Diversity-Dimensionen, darunter Geschlecht, Elternschaft, Alter, Nationalität, Sprache, Kommunikation, physische Fähigkeiten, Gesundheitszustand und Befähigungen, im Unternehmen eine Rolle spielen und teilweise indirekt in den z. T. kritischen Kommentaren der Mitarbeitenden sichtbar werden.

Geschlecht und Elternschaft:

 

Alter:


Nationalität, Sprache und Kommunikation:


Physische Fähigkeiten, Gesundheitszustand:



Befähigung:


Bei der Durchsicht der Bewertungen sind einige Kommentare aufgefallen, die meine Vermutung bestätigen, dass eine Diskrepanz zwischen der Außendarstellung des Unternehmens und den realen internen Vorgängen bestehen könnte. Diese Kommentare beziehen sich zwar nicht explizit auf das Diversity Management von Amazon, dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie unter anderem auch Aspekte von Diversität berühren.



Eine Aussage, die mir besonders aufgefallen ist und nicht auf eine spezifische Diversity-Dimension verweist, lautet: „Behandelt Menschen wie Menschen“. Sie kann jedoch als Hinweis auf eine wahrgenommene mangelnde Wertschätzung bzw. respektvolle Behandlung von Mitarbeitenden interpretiert werden – ein Umstand, der trotz der umfassenden Diversity-Bestrebungen des Unternehmens eigentlich nicht auftreten sollte.


Zu berücksichtigen ist, dass es sich bei allen ausgewählten Kommentaren auf dieser Bewertungsplattform ausschließlich um subjektive Einschätzungen handelt. Daher lässt sich nicht überprüfen, inwieweit die dort getroffenen Aussagen tatsächlich der Realität entsprechen.

Zum Abschluss widme ich mich der Thematik KI und Diversität bei Amazon. Diesbezüglich habe ich Amazon Web Services (AWS; (Quelle: https://aws.amazon.com/de/diversity-inclusion/reinvent-2022/, letzter Zugriff 13.03.2026) und Medienberichterstattungen im Hinblick auf KI und Recruitingstrategien genauer betrachtet.

Bereits im Jahr 2018 hat Amazon bereits KI in ihrem Recruitingprozess eingesetzt. Das Resultat der KI-Nutzung bestand darin, dass Frauen von der KI gegenüber ihren männlichen Mitbewerbenden diskriminiert wurden. „Teilweise wurden wohl auch Bewerber empfohlen, die gar nicht qualifiziert waren. Das Projekt wurde deswegen eingestellt.“ (Quelle: https://www.spiegel.de/panorama/amazon-wollte-bewerber-mit-kuenstlicher-intelligenz-beurteilen-doch-diese-ist-sexistisch-a-deb7824c-ec57-446f-8128-bd345441451f, letzter Zugriff 14.03.2026)

Es gibt einen AWS-Panel Talk mit dem Thema „Vermeidung von Vorurteilen in einer KI/ML-gestützten Zukunft“ aus dem Jahr 2022, der die Thematik KI bei der Rekrutierung von diversen Teams behandelt. Bezüglich der früheren Kritik, dass KI gegenüber Geschlecht und Rasse vorurteilsbehaftet gewesen sei, wurde entgegnet, dass KI mithilfe entsprechender Daten durchaus dazu beitragen könne, die Recruitingstrategien von Amazon zu verändern, indem sie Talente aus unterrepräsentierten Gruppen entdecken könne, um ihr Potential sowie Expertise für das Unternehmen zu erschließen. (Quelle:

, letzter Zugriff 14.03.2026)

Nach meinen aktuellen Recherchen gibt es derzeit keine aktuellen Berichterstattungen hinsichtlich der Recruitingstrategien von Amazon im Kontext von KI und Diversität in den Mainstream-Medien sowie auf der Unternehmenshomepage.