"Il faut de tout pour faire un monde" (Mein Verständnis von interkultureller Kompetenz)

"Il faut de tout pour faire un monde" (Mein Verständnis von interkultureller Kompetenz)

von Marie-Joseph Gomis -
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Wenn ich an interkulturelle Kompetenz denke, muss ich immer an dieses französische Kinderlied denken: „Il faut de tout pour faire un monde“.

Ich weiß nicht genau warum, aber es bleibt bei mir hängen. Vielleicht, weil es so einfach sagt, dass es ganz viele Unterschiede braucht, um eine Welt zu gestalten. Dass all diese Gegensätze da sind und dazugehören.

Und ich merke, dass mich genau das immer wieder beschäftigt. Ich finde nichts schwieriger als den Satz „Wir sind doch alle gleich“. In mir kommt dann sofort der Impuls zu sagen: Nein, wir sind nicht alle gleich. Ich bin ich und du bist du. Jede Person ist anders, und genau das ist wichtig.

Für mich geht es nicht darum, Unterschiede kleiner zu machen oder zu überdecken, damit es einfacher wird. Im Gegenteil. Ich glaube, dass eine diverse Welt nur dann entstehen kann, wenn Unterschiedlichkeit wirklich gesehen und akzeptiert wird. Nicht als Problem, nicht als etwas, das man angleichen muss, sondern als etwas, das da ist und sein darf.

Und erst dann kann daraus etwas entstehen. Wenn wir Unterschiede nicht wegdrücken, sondern stehen lassen, entsteht Raum. Raum für andere Sichtweisen, für neue Gedanken, für Entwicklung. Vielleicht bedeutet interkulturelle Kompetenz für mich genau das: Unterschiede nicht auflösen zu wollen, sondern mit ihnen zu arbeiten und zu schauen, was daraus entstehen kann.

Für mich leiten sich daraus folgende Grundsätze ab:

  1. Interkulturelle Kompetenz bedeutet für mich, mit Unsicherheit umgehen zu können, ohne sofort nach einfachen Antworten zu suchen.
  2. Unterschiedlichkeit ist nichts, was ausgeglichen werden muss, sondern etwas, das da ist und sein darf. Wir sind nicht alle gleich, und genau darin liegt eine Stärke.
  3. Es reicht nicht, dass Unterschiede vorhanden sind. Sie müssen auch gesehen und ernst genommen werden.
  4. Perspektiven entstehen nicht automatisch durch Vielfalt. Sie brauchen Raum, faire Bedingungen und echte Teilhabe, damit sie sichtbar und wirksam werden können.
  5. Interkulturelle Kompetenz beginnt für mich damit, die eigene Sichtweise immer wieder zu hinterfragen.
  6. Kommunikation spielt eine zentrale Rolle. Für mich bedeutet interkulturelle Kompetenz, sich immer wieder zu fragen: Was will ich kommunizieren und was möchte ich erreichen? Bewusste und reflektierte Kommunikation hilft, Missverständnisse zu vermeiden und andere nicht zu verletzen.
  7. Interkulturelle Kompetenz bedeutet für mich, bewusst zwischen Perspektiven zu wechseln und zu zoomen. Stereotype können ein erster Orientierungspunkt sein, aber entscheidend ist der zweite Gedanke.
  8. Es gibt keine festen Regeln für den Umgang mit Unterschiedlichkeit. Es geht immer darum, im jeweiligen Kontext angemessen zu handeln.
  9. Es geht nicht darum, Unterschiede aufzulösen, sondern darum, mit ihnen zu arbeiten und zu schauen, was daraus entstehen kann.
  10. Am Ende bedeutet interkulturelle Kompetenz für mich, anderen so zu begegnen, wie ich selbst behandelt werden möchte, mit Respekt, Achtung und Menschlichkeit.

Das Lied:

refrain:
il faut de tout tout tout tout tout
il faut de tout pour faire un monde

Il faut le ciel, il faut la terre 
il faut le jour et puis la nuit 
l'eau et le feu, l'air et la pierre 
il faut le soleil et la pluie 
il faut la mer les continents 
les animaux et l'être humain 
le tout petit et le très grand 
le masculin le féminin.
Il faut le noir il faut le blanc 
et puis les couleurs mélangées 
le très rapide et puis le lent 
il faut le lourd et le léger 
il faut le chaud il faut le froid 
il faut le beau et puis le laid 
il faut le tordu et le droit 
il faut le sucre et le salé.

Il faut le bruit et le silence 
il faut le vide il faut la pluie
la bêtise et l'intelligence 
hier aujourd'hui et demain
le singulier et le pluriel 
le hasard et la volonté 
le très secret et l'officiel 
le rêve et la réalité.

Il faut l'amour il faut la haine 
la guerre le courage et la paix 
la paix le bonheur et la peine 
il faut le juste et puis l'erreur 
il faut le dégoût et l'envie 
le mensonge et la vérité 
il faut la mort il faut la vie le mystère et l'éternité