Ich würde versuchen klar und den Austausch suchend einzuhaken. Ich würde ihm signalisieren, dass ich verstehe, dass das Nutzen von Stereotypen seine Arbeit augenscheinlich vereinfacht. Stereotype sind für ihn schnell und einfach zu vermitteln und wirken vielleicht wie ein Handwerk, welches Halt und Orientierung geben kann. Gleichzeitig würde ich ihn fragen, ob er nicht genau darin eine Gefahr für den Erfolg seines Trainings sieht und ob es nicht seine Aufgabe ist, über Stereotype aufzuklären und diesen entgegenzuwirken. Stereotype helfen zwar, Dinge zu vereinfachen aber vereinfachen oft zu stark und helfen nicht, Perspektiven zu wechseln, offen zu sein und das eigene Verhalten zu prüfen. Ich denke nicht, dass durch das Nutzen von Stereotypen die Bereitschaft steigt, sich wirklich für Fremdes zu öffnen und sich darauf einzulassen. Zudem verfestigen sich, die vielleicht auch schon vor dem Training bekannten Stereotype, durch die Nutzung im Training noch mehr. Menschen würden so „in Schubladen gesteckt“ und auf eine Gruppenzugehörigkeit reduziert. Es besteht sogar die Gefahr, dass sich daraus diskriminierende Ansichten bilden.
Es ist möglich, dass die Teilnehmenden der Schulung die Inhalte zunächst dankbar annehmen, da sie vielleicht keine Unsicherheiten mögen und froh sind, wenn sie ein „Regelwerk“ erhalten. Sollte dies so sein, würden sie in der Praxis vermutlich scheitern, da sie dann mit einer komplexen Realität konfrontiert werden und nicht auf starre Muster treffen. Sie kennen dann, analog einer Strukturperspektive, nur „schwarz und weiß“, und können nicht auf Kenntnisse aus einem offenen Kulturverständnis zurückgreifen, also eher nicht zwischen Perspektiven wechseln und der Situation entsprechend handeln. Bei Unsicherheiten würden sie dann auf die gelernten Stereotype zurückgreifen und somit nicht konstruktiv und zielführend reagieren. Missverständnisse und daraus resultierende Fehlentscheidungen könnten wiederum die Folge davon sein.