Antwort Sophie

von Sophie Schindler -

Zu Entwurf 1:

Ein Problem könnte hier sein, dass wir glauben, was wir sehen und das ist im ersten Moment ein blonder, weißer Mann in Arbeitskleidung. Wer sich dann tatsächlich die Zeit nimmt, den Text zu lesen, erhält in der ersten Zeile ("Matthias. 43. Tischler") dieselbe Information. Liest die Person weiter, werden unnötigerweise Minderheitenmerkmale wie Kopftuch und Dreadlocks genannt, die aber im Gehirn nicht mit der eigentlichen Botschaft verknüpft werden, dass Vorurteile abgebaut werden sollen. Zudem ist es auch paradox, weil die Message für Vielfalt in einem Unternehmen durch das Abbild der Mehrheitsgesellschaft untermauert wird? Auch das vereinzelte Wort "furzegal" fällt hier unharmonisch auf, da es dem Rest des Sprachstils nicht entspricht und wirkt zu gewollt.

 

Ich würde keine Person der Mehrheitsgesellschaft alleine auf dem Plakat abbilden. Ich würde keinen langen Text schreiben. Ich würde keine Begriffe wie Kopftuch verwenden. Ich würde einen Sprachstil konsequent verwenden.

 

Zu Entwurf 2:

Dieses Plakat gefällt mir besser. Der Blick wird zuerst auf die zwei verschmelzenden Gesichter gelenkt und betont die Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Kulturen. Auch der Satz ist nicht zu lang und transportiert dieselbe Botschaft wie das Foto, was deren Wirkung noch verstärkt. Es werden auch gesellschaftlich diskutierte Begriffe wie Kopftuch oder Dreadlocks weggelassen, was sofortige Assoziationen auslösen würde, die nicht zum beabsichtigten Ziel führen. Allerdings würde ich nicht Namen wie Sabine oder Fatima verwenden, da diese Name auch wieder Klischées sind. Bei den Worten "Dir doch auch!" habe ich zuerst daran gedacht, dass jemand mit schmutzigen Fingern mein Brot knetet und ich durch den Verzehr dann krank würde, weshalb es mir nicht egal ist, wer mein Brot knetet.

 

Theorien:

Das Jeder-kennt-jeden-Gesetz könnte hierbei verbildlichen, da es aufzeigt, dass wir enger verbunden sind, als wir denken und diese Nähe ggf. mehr Nähe schafft, welche wiederum die Ressentiments etwas aufweichen könnte.

 

Relatives Framing, welches sich auf die Verbindungen fokussiert, die zwischen den Akteuren bestehen und so Grenzen verschwimmen lässt, könnte Aufschluss darüber geben, dass auf dem Plakat Inhalte repräsentiert werden sollten, mit denen sich verschieden Zielgruppen identifizieren können.

 

Die Kontakthypothese unterstützt das relative Framing, da sie die Zusammenarbeit und Interaktion der Akteure betont, um Ressentiments abzubauen.

 

Was würde ich ändern?

Die Kontakthypothese besagt, dass sie zusammenarbeiten müssen, dieser gemeinsame Aspekt der Interaktion fehlt in den Entwürfen noch. Die Personen werden als eigenständige Arbeiter:innen dargestellt. Also eher eine interaktive Szene mit mind. 2 Beteiligten?

 

Eigener Entwurf:

Ich würde Abstand nehmen, von den problematischen Themen und Bildern, ohne den Inhalt und die Botschaft zu verlieren. Ich suche also nach einem Beispiel, wo diese Problematik bereits sehr gut funktioniert, was mich an die Mimesis erinnert: Gibt es in der Tierwelt ein Beispiel, welches nach dem gleichen Prinzip abläuft? Einer Gruppe fehlt etwas, eine andere hat, was ihr fehlt und so ergänzen sie sich, was zu einer Symbiose führt. Wie könnte ich aber damit umgehen, dass zwei verschiedene Tiere zusammenarbeiten? Es macht zwar auch die Unterschiede sichtbar, aber sie dürfen ja auch da sein. Die Betonung sollte deshalb auf den Austausch und die Zusammenarbeit gesetzt sein. Deshalb sollte es besser das gleiche Tier sein. Es werden also keine Personen mit phänotypischen Merkmalen gezeigt, keine Wörter wie Kopftuch oder Dreadlocks verwendet und das Thema emotional entschärft, da es sich im neutralen Tierreich abspielt, was in diesem Zusammenhang keine Ressentiments auslösen sollte.



Poster WIR

von Jutta Seifert -

Hallo,

das Posterthema beschäftigt mich. Daher noch ein Entwurf. Mehr Inkusion, mehr Diversität (Farben des Bildes hat ppt vorgegeben, Vermischung wäre inklusiver, aber so erinnert es ein bisschen an die Regenbogenfahne- auch ok). Bleibt die Frage, ob das Poster an der Lebenswelt der Bevölkerung anknüpft oder keine Aufmerksamkeit zieht.


Kommunikationskampagne des WOM-Projektes

von Isabelle Widmer -

Einschätzung der beiden Plakatentwürfe

Beide Entwürfe sind auf den ersten Blick auffällig, ich würde sie aber nicht so verwenden.

BeEntwurf A finde ich den Grundgedanke gut – "Hier zählt, was die Person kann" und "Mensch ist Mensch" ist eine klare Botschaft gegen Ausgrenzung. Das Problem ist aber, dass direkt danach genau die äußeren Merkmale aufgezählt werden, die Leute oft zur Kategorisierung nutzen: Kopftuch, Dreadlocks, Tattoos. Das Plakat sagt eigentlich "Unterschiede sind egal", macht sie aber gleichzeitig zum Hauptthema.

Bei Entwurf B geht's mir ähnlich. Der Spruch mit dem Brot ist originell und bleibt im Kopf, aber die Person wird stark über ihr "Anderssein" inszeniert – durch den Namen Fatima entsteht sofort eine kulturelle Zuschreibung. Dazu kommt: Wenn man internationale Mitarbeitende immer nur als die zeigt, die "unsere Wirtschaft bereichern", entsteht schnell ein Wir-gegen-die-Gefühl, obwohl das Gegenteil gewollt ist.

Was ich anders machen würde:

Statt internationale Mitarbeitende als besondere Gruppe darzustellen, die man braucht oder tolerieren muss, würde ich zeigen, dass sie einfach ganz normal Teil des Teams sind.

Zur Theorie:

Ganz hilfreich finde ich hier die Idee der sozialen Kategorisierung – wir teilen Menschen automatisch in "wir" und "die anderen" ein und sichtbare Merkmale wie Kleidung oder Kopftuch verstärken das nur. Beide Plakate wollen eigentlich Vorurteile abbauen, machen aber genau diese Merkmale erst richtig sichtbar.

Dazu passt auch die Kontakthypothese: Kontakt zwischen Gruppen baut Vorurteile ab, vor allem wenn beide Seiten gleichberechtigt zusammenarbeiten und ein gemeinsames Ziel haben.

Plakatvorschlag zu Kommunikationskampagne des WOM-Projektes

Plakatentwürfe

von Nina Bredereck -

Liebe alle,

anbei zwei Plakatentwürfe von mir. Der erste ist neutral gehalten und orientiert sich an den Zielen des Projektes. Der zweite versucht ähnlich wie andere Beispiele im Forum die Verbundenheit mit Thüringen zu zeigen und gleichzeitig der Vergangenheit, die traditionell innovativ ist:

https://glocal-campus.org/pluginfile.php/80853/mod_forum/post/1262/Anwendungsaufgabe%207_Posterentw%C3%BCrfe.pptx

Es ist wirklich schwierig Entwürfe zu erstellen, wenn manche Rahmenbedingungen noch nicht klar sind. Wahrscheinlich hätte ich mit den Auftraggebenden einen Austausch gewünscht, um zu erfahren, worauf der Fokus liegen sollte und ob es evtl. sogar schon gewisse Rahmenbedingungen für das Plakat gibt.

Was haltet ihr von diesen Entwürfen? (Wie) Würdet ihr sie verwenden? Was würdet ihr ändern? 

Ähnlich wie Jutta und Malte, denke ich, dass die Entwürfe diskussionswürdig sind, weil sie Stereotype verbreiten und weniger zur Dekonstruktion dieser führen. Es wird eher das Othering mit Ressentiments unterstützt. 

Enwurf B soll wahrscheinlich zeigen, dass diese Person sowohl Sabine als auch Fatimah sein könnte. Wobei ich leider nicht erkennen kann, was noch unter der rechten Wange bei Fatimah zusätzlich steht. Stehen dort weitere Qualifikationen im Vergleich zu Sabine auf der linken Seite der Wange? Beide Entwürfe finde ich schwierig. 

Sollte sich nicht eher auf den Fakt bezogen werden, dass Fachkräfte fehlen und jeder willkommen ist, der das passende Wissen und Können mit sich bringt bzw. die Offenheit diese zu erlernen? 
So habe ich zumindest die Ausschreibung verstanden. Vielleicht sollten auch mehr die "Wir bieten" und "Wir wünschen uns"-Optionen aufgelistet werden, wie bspw. die Onboardingmaßnahmen, allerdings auch die notwendigen Sprachkenntnisse, die die meisten Unternehmen als Grundlage für ihre Mitarbeitenden wünschen bzw. die Möglichkeiten diese zu erweitern und zu fördern. Diese Weiterbildungsmöglichkeiten sollte es für alle Mitarbeitende geben, da es sonst wieder zu einer Art positiven Diskriminierung kommt.


Welche Theorie haben wir kennengelernt, die uns hierbei helfen könnte?

Hier wäre die Theorie der Kontakthypothese anwendungswürdig, da sie einerseits aufzeigt, wie Menschen in Kontaktsituatione gemeinsam Ziele verfolgen können - hier die Beseitigung des Fachkräftemangels in Thüringen im besten Falle.
Menschen sollten dabei halbwegs den gleichen Status haben, was schwierig ist, wenn der Arbeitgeber = Tischlermeister als Werbeperson genutzt wird. Besser wäre andere Arbeitnehmende mit ähnlichem Hintergrund zu nutzen, die bereits positive Erfahrungen gemacht haben.
Außerdem ist so auch deutlich, dass Menschen besser miteinander agieren können und sie müssen es als Fachkräfte, um gemeinsam Ziele zu erreichen, bspw. Senioren zu pflegen oder ein Werkstück herzustellen. Es gibt Studien dazu, dass diverse Teams Aufgaben besser lösen und ambiguitätstoleranter sind.
Hinzu kommt, dass der Kontakt der Menschen von der Autorität unterstützt werden sollte - das könnte im Falle der Plakataktion einerseits das Bündnis der verschiedenen Fachbereiche sein, anderersetis teilnehmende Unternehmen, darüber hinaus können das auch Leitungspersonen im Unternehmen sein. Also wäre die Frage meinerseits: Wäre es nicht besser, interaktivere Situationen darzustellen als Einzelporträts auf den Plakaten?

eigener Plakatentwurf

von Jutta Seifert -

Liebe Gruppe,

hier ein eigener Plakatentwurf. Herzliche Einladung an euch, mir zu schreiben, ob ihr es für zielführend haltet oder eher nicht.


Kommunikationskampagne des WOM-Projekts

von Malte Mordeja -

Welche Theorie haben wir kennengelernt, die uns hierbei helfen könnte?

Kontakthypothese: Nach der Kontakthypothese besteht eine Relation zwischen Kenntnissen über / Kontakten zu bestimmten Akteur:innen und Neigung zu Stereotypenverwendung / Ressentiments. So wird das in der Projektbeschreibung geschilderte vermeintliche Paradoxon zwischen hohen Ressentiments trotz "geringer Ausländerquote" in Thüringen gar nicht mehr so widersprüchlich. Ein Abbau der Ressentiments könnte gemäß der Kontakthypothese also durch die Vermittlung von Kenntnissen bzw. dem Kontakt zu den entsprechenden AKteur:innen erfolgen. Bedingung dafür ist allerdings, dass beide AKteursfelder gemeinschaftliche Ziele verfolgen, von etwa gleichem Status sind und interagieren müssen.

Entwurf A:

Was haltet ihr von den Entwürfen? / (Wie) Würdet ihr sie verwenden?

  • Halte ich für nicht gelungen. "Wir haben Mitarbeiter mit Kopftuch, Dreadlocks, Tattoos. Und das ist furzegal." - Es fehlt eigentlich nur noch das "trotzdem" ("...und trotzdem kommen wir trotz dieser ganzen Unterschiede irgendwie klar!") und erinnert eher an Stromberg als an eine gelungene Kampagne. Durch das Aufzählen des Andersartigen werden Muster verfestigt. Dass das "Fremde" als "egal" dargestellt wird, kontrastiert den Kulturkampf geradezu und führt genau am Ziel vorbei. Warum werden die Informationen genannt? Was in den Köpfen hängen bleibt ist "Kopftuch, Dreadlocks und Tattoos sind anders". Es erinnert an den Zeitungsartikel "Deutsche gegen Ausländer" aus der zwölften Vorlesung.
Entwurf B:

Was haltet ihr von den Entwürfen? / (Wie) Würdet ihr sie verwenden?

Den Ansatz des Plakats finde ich dank des ersten provokativen Satzes "Dem Brot ist es egal, welche Hände es kneten." sehr gelungen. Mich irritiert eher das "Dir doch auch!", was ich ehrlich gesagt auch nicht ganz verstehe und eher nach agrresiv-flehendem Wunschdenken klingt.

Was würdet ihr ändern?

Ich würde den entsprechenden Teil ändern und bei dem anprangernden und ins-Gewissen-redenden Stils bleiben, etwa: "Warum dir nicht?" Die Idee von Jutta einer farbenfroheren Gestaltung und "collagenartiger Gesichtszusammenstellung" finde ich gut.


Diskussion zu Plakatentwurf A

von Jutta Seifert -

Das Plakat finde ich in Bild und Text ungeeignet für die gewünschte message. In mir fördert das den Gedanken einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die "deutschen" Arbeitgeber (blonder, weißer Mann) und die anderen, die aufgrund ihrer Arbeitskraft wertvoll sind. Aber eigentlich werden die persönlichen Merkmale (Kopftuch, Tattoo, Dreadlocks) negativ dargestellt und abgewertet, weil so stark betont wird, dass trotzdem zusammen gearbeitet wird. Auch der Satz "Mensch ist Mensch." unterstützt bei mir den Gedanken, dass nicht alle Menschen gleich sind. (Prinzip: Denke nicht an einen rosa Elefanten.)

Diskussion zu Plakatentwurf B

von Jutta Seifert -

Hallo an alle,

die Grundidee des Bildes finde ich gut. Ich würde es aber kontrastreicher und farbenfroher gestalten. Die jetzigen Farben stehen nicht für positive Energie. In unserem Stadtteil gibt es ein Hauswandbild auf dem Kulturzentrum, das in die gleiche Richtung zielt. Mir gefällt, dass es farbenfroher ist und viel mehr unterschiedliche Gesichtsanteile verwendet. Dadurch entsteht bei mir ein fröhliches Wir-Gefühl.

Den Text finde ich nicht gelungen. Ich fühle mich bevormundet von dem Satz "Dir doch auch". Da regt sich automatisch Widerstand in mir, weil ich mich fremdbestimmt fühle.